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Sonntag, 05 Mai 2013 05:49

80 Jahre MS Zürich und Tag der offenen Tür bei der Schweizer Bodenseeschifffahrt SBS

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Romanshorn hat flächenmässig den grössten Hafens am Bodensee. Vor einem Jahr wurden das neue Verwaltungs- und Verkaufsgebäude der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt (SBS) mitsamt neuer Basisküche in Betrieb genommen. Gestern fand der Tag der offenen Tür statt. Die administrativen Arbeitslätze im denkmalgeschützten Haus der sog. Alten Transitpost aus dem Jahr 1873 sind freundlich, modern und einladend. Im Obergeschoss befinden sich die Crew-Räume, daneben und darüber stehen Büroräumlichkeiten für Zweitfirmen zur Verfügung, die noch Vermieter suchen. Ich werde engagiert empfangen, so auch durch die CEO Andrea Ruf, die seit Anfang 2011 die operativen Geschicke der SBS als Geschäftsführerin leitet.

Ich kann heute alle vier Romanshorner-Schiffe an einem Tag erleben, das ist selten: Mit MS Zürich (1933) unternehmen wir ab dem Festgelände eine stündige Rundfahrt. MS Säntis (1956) bringt uns von Romanhorn zur erst am 2. April 2010 eröffneten Station Altnau (Kurs 7031), MS St. Gallen (1967) dann von dort nach Rorschach (Kurs 7022). Ein letztes Umsteigen ermöglicht anschliessend eine herrliche, dreistündige Fahrt mit MS Thurgau (1932) via Lindau zurück zum Ausgangshafen Romanshorn. Das Durchschnittsalter der Romanshorner Flotte liegt bei beachtlichen 66 Jahren. Alle Einheiten sind gut im Schuss und bei den Fahrgästen beliebt. Einzig ihre Kapazität kommt auf diesem grossen See bei schönem Wetter zeitweise an ihre Grenzen. Wird dies so bleiben? Andrea Ruf meint mit Blick auf die Raddampferflotte Vierwaldstättersee, wo „alte Schiffe ein tolles Potenzial haben“: „Der Verwaltungsrat hat entschieden, im kommenden Winter unsere Werft mit 9 Millionen Franken zu erweitern. Damit werden die finanziellen Akzente nicht auf neue Schiffe gesetzt." In der modernisierten und grössten Bodenseewerft können dann die ‚Thurgau’ und ‚Zürich’ für weitere Jahrzehnte saniert werden.

Seit der Schliessung der Bodanwerft 2011 bestanden bis zum heutigen Entscheid des SBS-Verwaltungsrates grosse Unsicherheiten, wie und wo die Schiffe der internationalen Flotten in Zukunft renoviert oder neu gebaut werden sollen. Alle drei noch verbleibenden Standorte sind für die neusten Fähren und „Sonnenkönigin“ zu klein (Romanshorn CH, Friedrichshafen D, Fussach A). Ausserdem würde es die Stadt Friedrichshafen gerne sehen, wenn die dortige BSB-Werfthalle verschwinden könnte, um den öffentlichen Raum aufzuwerten und die Stadtentwicklung gegen Osten zu öffnen. Die Vorarlberg Lines haben zwar seit Juni 2012 eine Baubewilligung für ein Trockendock im österreichischen Fussach (Kosten 5,5 Millionen Euro), aber mit dem Bau noch nicht begonnen. Auch die Schweizer Baubewilligung liegt bereits vor. Entscheidend zum wirtschaftlichen Erfolg wird sein, wie sich die Stadtwerke Konstanz mit ihren 8 Autofähren (6 in Meersburg und 2* in Friedrichshafen), 3 Katamaranen und 12 Fahrgastsschiffen verhalten, falls Fussach auch gebaut wird. Noch geben sich beide Eigentümer gegenüber den Medien sicher. Werner Netzer von den Bregenzern gibt dem Schweizer Projekt kaum Chancen: „nicht bei dem Frankenkurs“ und Hermann Hess von der SBS meint: „Ich habe ein gutes Gefühl“. Sicher ist, dass die Romanshorner nun entschieden haben und auch ohne definitive Zusicherung der Partner bauen.

MS Zürich feiert einen Runden! Die Jubilarin wurde am 2. Mai 1933 in Dienst gestellt, die Jungfernfahrt war am 22. Mai. Das Schiff führt in der Regel täglich bis zum 15. September sowie an Wochenenden bis 20. Oktober die Kurse um 9.33 Uhr ab Romanshorn (mit täglichem Frühstücksbuffet auf Vorbestellung) nach Meersburg, dann auf Kurs 7012 zurück bis Rorschach, um anschliessend zwei Mal nach Lindau zu fahren (zurück in Romanshorn um 20.10 Uhr). Der Oldtimer ist somit fast 11 Stunden täglich unterwegs. Zum Jubiläum bietet die SBS eine Mittagsfahrt um 12.30 Uhr von Kreuzlingen nach Romanshorn an (Ankunft 13.40) für CHF 8.80. Weiter gibt es die Familien-Jubiläums-Tageskarte für 2 Erwachsene und bis zu 5 Kinder für insgesamt 80 Franken.

Trotz historischer Vergangenheit helle Büroräumlichkeiten in der „Alten Transitpost“ für die SBS. Küchenchef Partrick Nigg und CEO Andrea Ruf geben einer Journalistin der Thurgauer Zeitung Auskunft über die Basisküche. MS Zürich feierte den 80. Geburtstag mit drei Sonderrundfahrten. Begegnung der Abendkurse in Rorschach: MS Thurgau legt von Lindau kommend an, wo die Fahrgäste mit MS St. Gallen Richtung Romanshorn umsteigen können. (Text und Bilder H. Amstad)

*) FMS Euregia gehört der BSB und SBS.

 

 

 

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