plus minus gleich
Sonntag, 29 September 2013 14:56

Guber: auch Nauen werden 100-jährig

Artikel bewerten
(16 Stimmen)

 

Vor genau 100 Jahren liess der Unternehmer Hösli das Lastschiff in der Waser-Werft in Stansstad erbauen. Am 28. September lud nun der heutige Besitzer Meinrad Grüniger Bekannte und Freunde sowie die Beckenrieder Bevölkerung zu Rundfahrten ein. Aus Nah und Fern sind sie gekommen, unter ihnen auch bekannte „Seegusler“ wie Hugo Baumgartner und Rolf Gwerder, der in der Schulzeit auf dem Nauen Unterwalden mit Meinrad Murer unterwegs war. Das föhnig-warme Wetter unterstützte die gute Stimmung an Bord auf den Pendelfahrten zwischen der Rütenen und der Genossenwehre Niederdorf. Meinrad Grüniger weiss aus den Anfängen des Nauens zu berichten: „Hösli verkaufte dann seinen Steinbruch Risleten mitsamt dem Nauen an die Gebrüder Hugo und Franz Cerncic Brunnen, die bereits Betreiber des Steinbruches Fallenbach in Brunnen waren. Von 1923 bis 1927 mieteten die 'Meinrad Murer Söhne' aus Beckenried den Nauen für Transporte ab der Risleten."

Dann wurde die „Guber“ in den 40-er Jahren an die Gebrüder Ernst und Werner Baumgartner, Schifftransporte in Buochs, vermietet. Hugo, der Sohn von Werner Baumgartner, erinnert sich: „Als Schulbub war ich in jeden Sommerferien auf Deck zum Helfen, wischte den Kies und die Steine auf die Seite, damit die zwei bis drei Arbeiter die ‚Bsetzi-’ und Randsteine sowie den Bauschotter mit Karetten ein- und ausladen konnten. Nach Feierabend durfte ich jeweils den Nauen nach Buochs steuern.“ Angetrieben wurde das Schiff durch einen Sulzer Zweitakt-Dieselmotor (350 Umdrehungen pro Minute) mit Pressluft. Baumgartner: „Am Sonntag beorderte mich mein Vater jeweils zum Schiff zum Schauen, wie viel Wasser sich im Rumpf angesammelt hatte; die Holzschale war nicht dicht. Mit einer Güllenpumpe mit Riemen direkt am Dieselmotor gekoppelt  entleerte sich das Schiff jeweils wieder.“ Die Baumgartners fuhren mit der „Guber“ 40 Jahre lang unter anderem auch für den Steinbruch in der Risleten.

 Zu einer späteren Zeit kaufte die Murer & Co Beckenried den Steinbruch Rieselten mitsamt diesem Nauen, bauten die Holz- in eine Stahlschale um und ersetzen den Motor durch einen neuen GM-Detroit mit 70 PS Leistung. Da der Abbau im Steinbruch Risleten wegen dem bevorstehenden Bau der linksufrigen Autobahn eingestellt wurde, veräusserte die Murer & Co (heute AG Franz Murer) im Jahre 1971 das Lastschiff an die Waser AG, Baggergeschäft Stansstad. Der Wandel des Schottertransportes erlebte einen weiteren Strukturwandel: die Tage des Nauens als Flachdecker schienen gezählt zu sein. Die modernen Selbstausladeschiffe Fritz und Stans wie auch die "Reuss", "Luzern", "Uristier", "Rudenz" und später die "Beckenried" waren effizienter. Ein Käufer aus Holland zeigte Interesse am Nauen Guber, doch wegen seiner Länge von 24.5 m scheiterte der Schwertransport nach Basel an den Kosten. Meinrad Grüniger, als Schulbub ebenfalls in jeden Frühlings-, Sommer- und Herbstferien auf der „Schwalmis“ seines Onkels Edy Murer unterwegs, hört vom gescheiterten Versuch des Verkaufes. Grüniger ersteht den Nauen und holt ihn zu sich nach Beckenried. Seit 1979 stand die legendäre Boden-Wehre, einst auch Abfahrtsort der ersten Autofähre der Schweiz Beckenried - Gersau, leer. Der Nauen Bodä Edy wurde damals durch einen Besitzerwechsel zum heutigen Standort nach Stansstad versetzt. Am 17. September 2004 kam nun der Nauen Guber wieder zurück nach Beckenried und dient nun für Vereine, Klassentagungen, Hochzeiten, Betriebsausflüge, Uferbesichtigungen und anderes mehr für erlebnisreiche Fahrten auf dem Vierwaldstättersee.

Die „Guber“ am Steinbruch Risleten, ein hochinteressanter Einblick in eine heute in Vergessenheit geratene Produktionsmethode. Geladen wurde an den am Silo aufgehängten „Kenneln“. Am unteren Ende des Silos öffnete jeweils ein Arbeiter den Schieber, bis der Nauen genügend Ladung hatte. Das sog. „Reisen“ des Nauens (die richtige Verschiebung des Schiffs beim Laden, damit dieses keine Schlagseite bekam) war nicht einfach, da durch das rasch rutschende Material im Kennel der Nauen immer wieder vom Ufer weggetrieben wurde. Rolf Gwerder beschreibt die Abläufe, wie sie im ersten Bild ersichtlich sind: „Vom Steinbruch her gelangte das steinige Rohmaterial mit den Rollwagen auf Geleise zur Verarbeitung. Die Rollwagen wurden jeweils mit einem Wellenbock (Seilwinde) die Rampe heraufgezogen und oben in den Brecher gekippt. Links vom Silo ist der Steinbrecher sichtbar, welcher das gesprengte Gestein vorgebrochen hat. Danach wurde das Material mit dem Elevator aufs Silo hinauf gefördert und von der Siebanlage in verschiedene Komponenten aussortiert. Das Material fiel anschliessend ins jeweilige Silo oder wurde dem Feinbrecher zugeführt.“

Der Nauen Guber dient seit 2004 für Gesellschaftsfahrten, hier für eine Besichtigung des Schwimmbaggers Risleten. Meinrad Grüniger ist zuversichtlich, dass er auch nach der angekündigten Verschärfung der BAV-Schiffbau-Gesetzgebung mit seinem „Guber“ unterwegs sein kann; sein Schiff ist bereits mit den in Zukunft notwendigen Schottwänden ausgerüstet. Bild 1 Archiv H. Baumgartner, Text und übrige Bilder H. Amstad

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar