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Sonntag, 10 November 2013 21:38

Chiemsee Schifffahrt in der 5. Generation Fessler

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Das Internationalen Binnenschifffahrtstreffen IBT fand in diesem Jahr am Chiemsee statt. Nach 1977 und 1986 war damit die Familie Fessler mit ihrer Chiemsee Schifffahrt bereits zum dritten Mal Gastgeber für die Schiffsleute aus den drei deutschsprachigen Alpenländern sowie Holland und Frankreich. Das Kaiserwetter mit 18 Grad und wolkenlosem Föhnhimmel nutzten am ersten Tag einige der 420 Teilnehmenden für eine erste Rundfahrt auf dem drittgrössten See Deutschlands (nach dem Bodensee und der Müritz). Der Galaabend stand dann unter dem Motto „Zauberhaftes Bayern" mit hiesiger Folklore und geselligem Beisammensein. Seniorchef Ludwig Fessler war sichtlich stolz, unter den darbietenden 50 "Trachtlerinnen und Trachtler" die 11-jährige Stefanie und den 9-jährigen Martin zu begrüssen, "Fesslers" der 6. Generation des Schifffahrtsbetriebes.

1845 begann die dampfbetriebene Schifffahrt auf dem Chiemsee mit einer Dampfmaschine von Maffei und einer Kesselanlage von Josef Fessler in München. 1849 verkaufte der damalige Besitzer Wolfgang Schmid das Schiff an Josef Fessler, der seinen Sohn Ludwig an den Chiemsee schickte, um den Schiffsbetrieb zu führen. Kaum kam die Schifffahrt in Schwung wurde die Eisenbahn eröffnet; dadurch ging es dem Betrieb eine Zeitlang schlecht. Was blieb war die verkehrstechnische Erschliessung der Herren- und Fraueninsel. Als 1886 der bayerische König Ludwig II ums Leben kam gab sein Nachfolger Prinz Luitpold das Schloss auf der Herreninsel zur öffentlichen Besichtigung frei und damit war der Grundstein gelegt für eine touristisch erfolgreiche Entwicklung, die bis heute andauert. Über 400 000 Besuchende zählt das Schloss jährlich.

Beim Begrüssungsgeschenk zum IBT war ein Regenschirm dabei. Dieser kam dann auch zum Einsatz. Für den zweiten Tag wählten wir Ausflüge mit Kultur und Geschichte, die begleitet waren von Wasser unter und über uns... Eine spannende Führung durch das Schloss Herrenchiemsee zeigte die an Wahnsinn grenzende Idee von König Ludwig II, hier das Schloss von Versailles zu kopieren*. Nach einer weiteren Schifffahrt erreichten wir die Fraueninsel. Der kommentierte Inselspaziergang führte unter anderem in die Kirche des Benediktinerinnenklosters aus dem 8. Jahrhundert. Die Insel unterscheidet sich deutlich von der Herreninsel, ist kleiner und relativ dicht besiedelt. 250 Einwohner und 260 ha bilden zusammen mit der Kraut- und Herreninsel die kleinste politische Gemeinde Bayerns. Am keltischen Lindenplatz haben Geomanten einen Kraftort ausgemacht, der Tausende von Besuchenden pro Jahr anlockt. Zum Schluss der Exkursion genoss ich den Salon des Radschiffes Ludwig Fessler auf seiner letzten Kursfahrt dieses Jahres. Demnächst kommt das Schiff in die Halle zur Neumotorisierung. Jahrzehnte ist’s her, dass die „Ludwig Fessler“ im November gefahren ist. Dieses Radmotorschiff mit dem Baujahr 1926 ist in der Schweiz kein unbekanntes Schiff; seine Originaldampfmaschine ist in der neu renovierten „Neuchâtel“ eingebaut und wird 2014 sein zweites Leben beginnen.

Am Samstag-Abend fand in der Werfthalle noch der Empfang des Bürgermeisters statt, begleitet mit all zu lauten Salut- und Böllerschüssen, die zur Brotzeit überführen. Den Ausklang am Sonntag bildete ein bayerischer Frühschoppen mit Musik, Weisswurst, Brezel und Bier. Für mich gibt es noch eine letzte Runde mit MS Josef und die Besichtigung eines interessanten Projektes: Die Chiemsee-Schifffahrt bekommt im kommenden Jahr als 14. Einheit ein Schraubendampfer. Die originale „Siegfried“ aus dem Hause Escher Wyss u. Co, Zürich mit Baujahr 1910 hat über all die Jahrzehnte mitsamt der Maschine überlebt und wird zur Zeit in der Remise der Chiemsee-Dampfbahn generalüberholt.

Das braune Schanzkleid des Radmotorschiffes Ludwig Fessler passte gut zu den November-Herbstfarben am Chiemsee. In der Halle zieht der MAN-Dieselmotor die Fachleute mehr an als die Ansprache des Bürgermeisters (im Hintergrund links auf der Estrade). MS Irmingard (links) und MS Edeltraud stehen bereit für die Brotzeit. Patron Ludwig Fessler zeigte sich nach den drei Tagen sehr zufrieden, die Organisation eines solchen Anlasses ist jeweils mit grossem Aufwand verbunden. Zur Schifffahrt gehören auch die Chiemseebahn und Hotels. Lüpfiger Abschluss des 58. IBT in Form eines Frühschoppens; das 59. IBT findet am 7. bis 9.11.2014 am Traunsee (A) statt. Text und Fotos H. Amstad

Weitere Bilder: www.facebook.com/schiffsagentur/photos_albums

 *) König Ludwig II von Bayern war ein absoluter Fan vom Sonnenkönig Louis XIV und wollte ihm auf der Herreninsel einen „Tempel des Ruhmes“ widmen. 1878 begann der Bau des Schlosses und als die ersten 20 von 70 geplanten Prunkräumen fertig waren, ging das Geld aus. Er selber war nur 1885 ein einziges Mal auf der Insel, bevor er ein Jahr darauf starb. Der König lebte in einer Art Märchenwelt, liess auch Neuschwanstein erbauen und hatte vor, auf dem Rütli am Urnersee ebenfalls ein Prunkschloss zu erstellen. Er war auch von Wilhelm Tell angetan, bereiste begeistert den Vierwaldstättersee und charterte mehrfach ein Extraschiff der DGV, so 1865 und 1881.

 

 

 

 

 

 

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