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Montag, 23 Dezember 2013 20:32

Winterzaber auf dem Königsee

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Der Königsee bietet punkto Schifffahrt Überraschendes: eingebettet in hohe Berge, die bis 2700 m in die Höhe ragen, fahren bis zu 18 Fahrgastschiffe, die allesamt mit einem Elektromotor angetrieben werden. Sogar im Winter wird täglich gefahren, mindestens mit einem, oft mit zwei Schiffen. Bei meinem ersten Winterbesuch vor zwei Jahren versank die Landschaft im Schnee, diesen Winter sorgte der Föhn für eine fast kitschige Szenerie, wie die Bilder zeigen. Ziel der winterlichen Schifffahrt ist das ehemalige Augustinerchorherrenstift St. Bartholomä mit ihrer schmucken Kirche und der Schenke, die auch heute noch nur über den Seeweg zu erreichen sind. Im Sommer führt die Schifffahrt weiter bis Salet.

Der 7,7 km lange, max. 1,2 km breite und 190 m tiefe See ist eines der bizzarsten Gewässer in Deutschland. Es ist nicht wie die meisten Alpenrandseen durch Gletschermoränen der letzten Eiszeit gebildet worden sondern durch gewaltige tektonische Einbrüche. Die Landschaft im hintersten Berchtesgadener Land ist seit 1921 unter Naturschutz gestellt. Der Name des Sees kommt nicht von den bayerischen Königen, die sich oft und gerne nach St. Bartholomä rudern liessen, sondern vom mittelalterlichen Begriff „chunigesee“ und leitet sich vom damaligen Besitzer Pfalzgrafen Kuno von Rot ab, wie der Schifffahrtexperte Benedikt von Hebenstreit für uns recherchierte. Jahrhunderte lang ruderten Bauern ihr Vieh zur Fischunkelalm und nach Salet sowie Chorherren des Stifts und Wallfahrer nach St. Bartholomä. Nach der Sekularisierung der kirchlichen Fürstentümer kam der Königsee zuerst unter die Herrschaft des Kurfürsten von Salzburg, 1810 zum Königreich Bayern. St. Bartholomä wurde zum Lieblingsaufenthaltsort der bayerischen Könige. Zur gleichen Zeit entdeckten Künstler der Romantik aus Wien und München diese Landschaft – der Fremdenverkehr begann zu florieren! Ab 1833 entwickelte sich ein regelrechter Linienverkehr nach Fahrplan – bei Andrang mit stündlicher Abfahrt – mit Ruderbooten.

Drei Gesuche der Betreiberfamilie Moderegger zur Einführung der Dampfschifffahrt lehnte König Ludwig II 1878, 1888 und 1894 ab. 1908 standen 58 Boote im Einsatz, gerudert von 180 sog. Seeknechten. Just zur Eröffnung der Eisenbahn nach Berchtesgaden (1909) wechselte der Machthaber. Prinzregent Luitpold stimmte dann der Bestellung von fünf Schiffen zu: zwei Elekroboote, ein Motorschiff für den Hof und zwei Naphta-Schraubendampfer sollten nun die abermals verstärkte Nachfrage befriedigen. Das Siemensboot Accumulator aus Berlin eröffnet am 15. Juli 1909 die motorenbetriebene Königsee-Schifffahrt. Escher Wyss aus Zürich lieferte die Naphtadampfer Tristan und Isolde sowie das Benzinboot Chriemhilde, die Werft Rambeck Starnberg das „hofherrschaftlich“ ausgestattete Elektrobot Gemse. Bereits 1910 folgten weitere; 1912 zählte die Flotte bereits 12 Schiffe, die Hälfte davon aus Zürich. Ein Brand zerstörte in der Nacht vom 11. zum 12. Juni 1918 sämtliche Schiffshütten und sieben Schiffe. Ab 1920 folgten aus der Werft Rambeck weitere Elektromotorschiffe mit je 100 Personen Fassungsvermögen. Seit 1934 betreibt der Staat Bayern die Schifffahrt, EU-Vorgaben führten 1997 zu einer „Bayerischen Seengemeinschaft GmbH“, wobei der einzige Gesellschafter der Freistaat ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Fahrt auf dem Königsee erinnert mich am Ausgangspunkt Königsee Seelände an den verwinkelten Lac des Brenets im Jura, im mittleren Teil etwas an den Silsersee im Engadin und im hintersten Teil an einen norwegischen Fjord. Auf der Hinfahrt greift jeweils der Matrose zur Trompete und schmettert Töne an eine Felswand, die dann prompt das Echo zurückzaubert. Einem alten Brauch zu Folge macht dann jeweils ein Hut die Runde und sorgt für eine Gehaltsaufbesserung der beiden Schiffsleute. In St. Bartholomä lohnt sich auszusteigen, der Schenke einen Besuch abzustatten (die Schiffe sind nicht bewirtet) und auf einem Spaziergang die atemberaubend schöne Landschaft zu geniessen.

Im Winter Endstation: St. Bartholomä. Gleich vom Start weg in Königsee Seelände gilt es, die landschaftlich abwechslungsreiche Szenerie zu geniessen. Ein alltägliches Bild bis 1909: bis 58 Ruderboote standen im Einsatz, die touristische Nachfrage zu erfüllen, dann begann die motorbetriebene Königsee-Schifffahrt. Ab 1920 kam der sog. „Königsee-Schiffstyp“: Der Steuerstand lag auf dem 60 cm höheren Mitteldeck; in den jüngeren Booten ist der Steuerstand am Bug. Winterzauber auf und am Königsee, im Hintergrund die imposante Watzmann-Ostwand, höher als die Eigernordwand vom Berner Oberland. Fotos Textteil: MB Hohe Göll (1989 Eigenbau in Vollholzbauweise); MB Berchtesgaden (2003 Lux-Werft mit Stahlrumpf, Auf- und Ausbau Königsee-Schifffahrt). Bild 3 und 4: Sammlung H. Amstad, Bild 5 Bayerische Seenschifffahrt, Text und übrige Bilder H. Amstad

 

 

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