plus minus gleich
Sonntag, 20 Mai 2012 06:00

150 Jahre Schiffbauingenieur Gunnar Hammershaimb

Artikel bewerten
(11 Stimmen)

concordia_1

concordia_1

concordia_1

concordia_1

 

Heute wie früher stehen Menschen hinter dem, was die Welt verändert, prägt, entwickelt. Soziale Werke, Wirtschaftssysteme, Bauten, Infrastrukturen..., hinter allem stehen schliesslich Persönlichkeiten, die ihre Kreativität und Tatkraft für etwas einsetzen, wovon sie überzeugt sind. Einer davon war Gunnar Hammershaimb, der vom Dezember 1887 bis Neujahr 1930 mit wenigen Unterbrüchen bei den Gebrüdern Sulzer in Winterthur für den Schiffbau verantwortlich war. Ich habe von Beat Zumstein, Jurist und Schifffahrtskenner in Basel und St. Gallen, ein Essay über diesen Mann erhalten. Der Inhalt überrascht mich, weil ich von diesem Namen zum ersten Mal höre und ich bin fasziniert über dessen Wirken.

hammershaimb

Anlass dieser Würdigung ist der 150. Geburtstag des am 16. Mai 1862 auf einer Färöer-Insel zur Welt gekommenen Gunnar Hammershaimb. Der Vater wirkte als evangelischer Pfarrer und ist mit seinen Forschungsarbeiten zur Sprache auf den Färöer-Inseln heute noch ein wichtiger Philologe. Er gilt als der Begründer der neuen färöischen Schriftsprache. Sohn Gunnar bekam einiges mit von diesem Pioniergeist im Hause Hammershaimb, aber auch die Schiffe und die raue See des Nordatlantiks prägten den Lebensweg des jungen Gunnar. Seine "Lehrfirma" war die bekannte Werft Burmeister & Wain, gegründet 1843 in Kopenhagen, wo sicher seine Inspirationsquelle zu finden ist für sein späteres Schaffen.

Gunnar Hammershaimb hat in Winterthur eine stattliche Flotte von Schiffen geschaffen, so die „Gotthard“ für den Vierwaldstättersee im Jahr 1889 oder die Léman-Raddampfer Genève, Lausanne, Montreux, Général Dufour, Vevey, Italie, La Suisse, Valais, Savoie, Simplon, Helvétie, Rhône. Weiter die „Uri“, „Schiller“ und „Wilhelm Tell“ für Luzern, die „Spiez“ für Thun, die „St. Gotthard“ und „Stadt Meersburg“ für den Bodensee oder die „Schaffhausen“. Für den Luganersee schuf er den bemerkenswerten Halbsalondampfer Sempione. Zumstein hebt die geniale Vielseitigkeit Hammershaimbs hervor, indem er als Schiffbauingenieur auch eine beachtliche Ahnung vom Maschinenbau, der Strömungstheorie, der Architektur und den ökonomischen Zusammenhänge haben musste, um für Sulzer erfolgreich Schiffe zu bauen. Sulzer konnte zwar monopolartig mit regelmässigen Bestellungen für den Genfersee rechnen, während das Konkurrenzunternehmen Escher Wyss den Zürichsee beliefern konnte, aber auf den anderen Seen ergab sich trotz der Aufteilung des Marktes eine Wettbewerbssituation, so dass er auf die Qualität und Ökonomie seiner Projekte achten musste. Die Gebrüder Sulzer waren als erstklassige Hersteller von Dampfmaschinen (und später von Dieselmotoren) weltbekannt und so ergab es sich, dass im „Nebengeschäft“ Schiffbau die Schiffe von Gunnar Hammershaimb Antriebsanlagen auf einem sehr hohen technischen Stand ausgestattet wurden.

Beat Zumstein: „Der Rückblick auf das Werk von Gunnar Hammershaimb offenbart einen grundlegenden Unterschied zwischen Bauingenieuren und Architekten, die Bauten an Land errichten, und Schiffbauingenieuren, die ihre Werke in der Regel in der Anonymität erstellen, die bloss in Fachkreisen gelüftet wird. Ein Bauingenieur oder Architekt mit einem vergleichbaren Leistungsausweis würde als Vertreter des baulichen Erbes der Schweiz eingestuft. Gunnar Hammershaimb hat mit seinem Lebenswerk diesen Rang ebenfalls verdient.“

Gunnar Hammershaimb brachte seine Erfahrungen aus seinem Werdegang in Dänemark, Schottland und Norwegen mit nach Winterthur (Bild Sulzer Werk-Mitteilungen 15.06.1930). Die „Gotthard“, Hammershaimbs Erstlingswerk hatte noch nicht jene Eleganz späterer Einheiten. Die „Wilhelm Tell“ überzeugt durch die grosszügigen Platzverhältnisse und das gediegene Erscheinungsbild. Schliesslich ist die Eleganz der Genfersee-Schiffe mit ihren feinen Linien und ihrem durchwegs schnittigen Design nicht zu überbieten (Text und Bilder Sammlung H. Amstad). Der schottische Raddampfer Grenadier (1885) ähnelt durchaus der "La Suisse" vom Genfersee, wie Beat Zumstein recherchierte (Bild website.lineone.net/~tom_lee/grenadier.htm).

2 Kommentare

  • Kommentar-Link Heyduu Sonntag, 12 Juni 2016 12:16 gepostet von Heyduu

    Ich hbe ihn zwar nicht gekannt, dafür seine beiden Töchter. Gudrunwar meine Schwiegermutter und Sigrid die Patin von meinem Mann.

    Melden
  • Kommentar-Link Karl F. Fritz Donnerstag, 27 September 2012 17:05 gepostet von Karl F. Fritz

    Gunnar Hammershaimb leitete 1902/3 zusammen mit Chefingenieur Friedrich Courtin der Direktion Karlsruhe auch den Umbau des DS "Stadt Konstanz", sowie die Verlängerung von DS "Zaehringen" 1903/4.

    Melden

Schreibe einen Kommentar