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Artikel nach Datum gefiltert: Donnerstag, 18 April 2019

Josef Gwerder und This Oberhänsli beschreiben im Bordbuch  „Dampfschiff Rigi“ die wechselvolle Geschichte eines Dampfschiffes, das zu den ältesten der Welt gehört. Casimir Friedrich Knörr eröffnete 1837 die Dampfschifffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Der Kanton Uri waren aber mit den Leistungen des Luzerner Unternehmens gar nicht zufrieden, weshalb dann der Urner Carl Emanuel Müller 1847 die „Postdampfschifffahrts-Gesellschaft“ gründete. Josef Gwerder: „Dabei musste sie ihre zwei Dampfschiffe in England bestellen, da die Luzerner Konkurrenzgesellschaft Knörr einen Exklusivvertrag mit Escher Wyss in Zürich hatte.“ Von London bis Strasbourg wurden im September 1847 die Schiffsteile auf dem Wasserweg, bis Basel dann mit der französischen Eisenbahn und weiter mit Pferdefuhrwerken transportiert. In Liestal wurde der Konvoi aufgehalten, weil man Munitionsschmuggel vermutete: Der Sonderbundskrieg zwischen den konservativen, katholischen Zentralschweizer Kantonen mit Wallis und Freiburg gegen die liberalen, eher reformierten Kantone vom November 1847 war im Gang. Es war ein Bürgerkrieg und zugleich auch die letzte militärische Auseinandersetzung auf Schweizer Boden. Die Schale und Aufbauten des Dampfschiffes Rigi mussten wieder zurück nach Frankreich, um ruhigere Zeiten abzuwarten. Der Transport der Maschine und des Kessels wurde bereits in London gestoppt. Am 27. Januar 1848 traf endlich alles in Luzern ein mitsamt den englischen Bauleuten. Bereits am 16. März erfolgten Stapellauf und Namensgebung Rigi, die Jungfernfahrt dann am 30. Mai 1848.

Am Ende des Krieges bekam die Schweiz ein parlamentarischer Bundesstaat, die erste Bundesverfassung trat in Kraft, die moderne Schweiz wurde geboren. Im November 1848 wählte das Parlament den ersten Bundesrat in der Schweiz und Bern wurde zur Bundeshauptstadt. Im Buch folgt nun das interessante Kapitel „Daten und Fakten“ mit allen zur Verfügung stehenden Informationen über das Schiff. Zahlreiche Bilder erzählen eine zusätzliche Geschichte. Gwerder: „Beachtenswert ist nicht nur die bauliche Entwicklung des Schiffes sondern ebenso sehr jene der Umgebung.“ Hier wird deutlich, was es heisst, wenn ein Schiff 105 Jahre lang verkehrt. Am 31. Juli 1952 fährt die bereits zur Aktivzeit gewordene Legende zum letzten Mal aus.

 

 

Nach sechs Jahre Stillstand in der Werft begann 1958 das zweite Leben des „Rigali“, wie das Schiff von den Luzernern liebevoll genannt wird. Der Glattdeckdampfer kam ins Verkehrshaus der Schweiz und wurde von Anfang an zu einem wichtigen Ausstellungsexponat. Das Verkehrshaus der Schweiz wurde nach zweijähriger Bauzeit am 1. Juli 1959 eröffnet. Otto Dreyer war der gleiche Architekt wie bei der Gestaltung des Interieurs MS Schwyz (Link) und der Landesausstellung 1939 in Zürich. This Oberhänsli beschreibt im Buch nun die ebenso wechselvolle Geschichte von DS Rigi. Heute sieht das Schiff unattraktiv aus: Nach 1959 und 2005 scheint es zum dritten Mal ein Wrack zu sein. Insbesondere das Hochwasser von 2005 setzte dem Oldtimer arg zu. Bis 2009 erfolgte die Neuplatzierung des Schiffes vor der Schifffahrtshalle. Diese in der Folge als wenig langfristig und sehr unterhaltsintensiv zu bezeichnende Renovation erwies sich als weiterer Stolperstein, weshalb das Schiff zur Zeit kein Vorzeigeobjekt ist. Für den Verkehrshausdirektor Martin Bütikofer, der auch das Vorwort zum Buch schrieb, ist aber klar: „Bis 2018 haben wir die Ziele erreicht, das industriearchäologische Unikat als begehbares Museumsschiff von Weltrang nachhaltig renoviert zu haben.“ Dazu gehören die Rekonstruktion beider Schaufelräder, der Wiedereinbau der Originalmaschine und des Kessels sowie die Beschaffung beträchtlicher finanziellen Mittel. Mit dem Kauf des Bordbuchs unterstützt man dieses Ziel.

Josef Gwerder präsentiert bereits sein 7. Bordbuch; zusammen mit This Oberhänsli hat er die Geschichte des heute 165-jährigen Glattdeck-Dampfer Rigi minutiös recherchiert (05.12.13). Erste Baustelle DS Rigi 1959 beim Bau des Verkehrshauses. Zweite Baustelle: Nach dem verheerenden Hochwasser erneuert das VHS das Schiff (Bild vom 18.04.06). Die Arbeiten waren 2009 abgeschlossen, die Freude aber von kurzer Dauer: dritte Baustelle von heute. Projektleiter Fabian Brunner hat alle Hände voll zu tun, wenn das historische Bijou 2018 mit allen Elementen wieder eröffnet werden soll (05.10.13). Bild 2 aus dem Bordbuch DS Rigi, Text und Bilder H. Amstad, Bild im Textteil Sammlung H. Amstad

Buchbesprechung und Bestellung: Link

 

 

 

 

 

 

 

 
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Diesen Winter fiel mir im Altpapier ein SGV-Fahrplan des Jahres 1891 in die Hände… besser gesagt: es war damals die DGV, die seinerzeit nebst dem Vierwaldstättersee auch die Schifffahrt auf dem Zugersee organisierte. Im Vergleich zu den alten Tagen sind im Kursbuch 2014 viel weniger Frühkurse vermerkt, auch fährt die Schifffahrtsgesellschaft auf dem Vierwaldstättersee mittlerweile einen bewährten Taktfahrplan.

2014 finde ich den frühesten Schiffskurs auf dem Genfersee. Werktags führt um 04.40 eine Verbindung von Lausanne nach Thonon, eine weitere um 04.55 nach Evian. Diese und die nachfolgenden Pendlerkurse bis ca. 20.00 Uhr sind auf dem Genfersee wieder etwas langsamer unterwegs als 2013, da sich die Schnellschiffe „Navibus“ vielfach als zu klein erwiesen haben. Der Vorteil für den Schiffsliebhaber, dass teilweise wieder historisch interessante Schiffe* unterwegs sind und dies erst noch ohne Geschwindigkeitszuschlag, ist für Pendler ein Nachteil, sie müssen früher aufstehen. Auf dem Genfersee ist mir weiter aufgefallen, dass Kurs 901 die Stationen Cully, Lutry und Pully nicht mehr bedient; diese Uferstationen haben erst kurz nach 13.00 eine Schiffsverbindung nach Lausanne. Die Stationen La Belotte und Bellevue in der Genfer Seebucht werden seltener angefahren.

Die grössten Änderungen gegenüber 2013 sind auf dem Vierwaldstättersee vor allem im Winter zu finden: Ab 1. März 2014 verkehren bereits wieder einige Rundfahrten mit der Panoramajacht Saphir und auch der Kurs 13-14 (11.12 ab Luzern nach Vitznau und zurück) verkehrt täglich ab März und bis 16. November. Dafür beginnen die Rundfahrten Richtung Tribschen erst im Mai. Neu sind auch Winterfahrten im Oktober und November in den Alpnachersee geplant, mit Anschluss zum Pilatus. Bei der Schifffahrt auf dem Zugersee nicht viel verändert. Die Schiffskurse verkehren über eine etwas längere Verkehrsperiode: an Ostern sind die Zugerseeschiffe neu wieder unterwegs, was sicher Sinn macht.

Auf dem Bielersee ist die Brunchfahrt des Solarkatamarans und somit die einzige fahrplanmässige Verbindung nach Lüscherz nicht mehr im Kursbuch. Die Fahrt mit dem Solarkatamaran findet gemäss BSG-Website im Sommer aber statt, allerdings ohne den Unterwegshalt auf St. Petersinsel Süd. Die Dampferkurse des im 2014 in Betrieb stehenden Juradampfers sind leider im Kursbuch nicht speziell ausgewiesen, wohl aber im betriebseigenen Flyer. DS Neuchâtel ist auf allen drei Juragewässern von Donnerstag bis Sonntag auf öffentlichen Fahrten unterwegs (Fahrplaninfo: www.navig.ch/vapeur). Interessanterweise ändert sich auch der Fahrplan der LNM in diesen Tagen noch oft... vor einer Fahrt auf dem Neuenburgersee sind immer wieder die aktuellsten Fahrpläne anzusehen, so wird in einer aktuellen Online-Version die Gemeinde Yverdon zweimal angefahren, dies im Gegensatz zum Kursbuch, wo auch in der Hochsaison nur eine Fahrt notiert ist.

Auf dem Zürichsee wurden die Abfahrten der kleinen Rundfahrten von ..00 und ..30 auf ..10 und ..40 verschoben (Entflechtung der Abfahrtszeiten) und die Längsfahrten nach Rapperswil pro Weg um 5 bis 7 Minuten entschleunigt. Die längeren kleinen Rundfahrten am Morgen um 9.00 und 10.00 werden gestrichen. Von den Fahrten her ändert sich auf dem Greifensee nicht viel, dafür wird leider das Generalabonnement nur noch auf den Querfahrten akzeptiert. Auf dem Bodensee entfällt die letzte Fähre von Friedrichshafen nach Romanshorn, so dass die letzte Fahrt bereits um 20.41 statt 22.41 stattfindet.

Sehr erfreulich die Entwicklung auf dem Brienzersee: Der Fahrplan wird nach 2012 abermals ausgebaut, neu verkehrt an Sonn- und Feiertagen im Juli und August ein zusätzliches Kurspaar (Interlaken ab 10.07, Brienz ab 11.40). Auf dem Basler Rhein verlängert die BPG die Talfahrten von Rheinfelden nach Basel um 10 Minuten. Zudem entfällt das Anmeldeobligatorium für die Mittagsrundfahrt, so dass auch der Spontangast an Bord willkommen ist. Der kantonale Schiffsbetrieb „Schiffmändli“ streicht auf dem Zürcher Rhein zwischen Rheinfall und Rheinau an Sonntagen in der Hochsaison ungefähr die Hälfte der öffentlichen Fahrten gegenüber 2012.

Wieder den alten Fahrplan von 1891 zur Hand ist es auch sinnvoll, wenn gewisse Dinge sich mit der Zeit ändern. So waren früher kaum Abendrundfahrten im Programm und auf dem Zugersee war die Gemeinde Cham nicht per Schiff erschlossen. Trotz Veränderungen finde ich es wichtig, dass auch künftig noch ein genügend grosses Basisangebot an öffentlich zugänglichen Kursfahrten bleibt und sich das Angebot nicht in einer Abwärtsspirale entwickelt.

Weniger Einsätze für die schnellen Navibus, die sich als zu klein erweisen für den Pendlerverkehr nach Thonon. Ein neues Schiff auf den drei Juraseen: DS Neuchâtel, hier auf Probefahrt in Erlach am 23.10.13 (links ex-BSG-Schiff Jura). Unerfreuliches Signal: Das GA ist auf den Greifensee-Rundfahrten ab 2014 nicht mehr gültig. Auf dem Brienzersee passiert schweizweit der einzige Leistungsausbau im Sommer. Text M. Bisegger, Bild 2 O. Bachmann, übrige Bilder H. Amstad

*) Man beachte hierzu auch den folgenden Blogeintrag: http://www.schiffs-agentur.ch/joomla/index.php/logbuch/item/136-genfersee

 

 

 

 
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Das ehemalige Ostpreussen rühmte sich mit drei Weltwundern: die Wanderdünen des Kurischen Haffs, die Marienburg der Ordensritter und der Kanal, wo Schiffe zu Berge und Tal fahren, um einen Höhenunterschied von knapp 100 Metern zu überwinden. Dieser sog. Oberländische Kanal verbindet die Eylauer Seenplatte (östlich des Weichselgebietes) mit Elbing (Elblag) und somit mit der Ostsee und der Hansestadt Danzig (Gdansk). Der Kanal ist 130 km lang, hat vier Schleusenkammern und auf einer Länge von knapp 10 km fünf Rampen, wo die Schiffe samt Fahrgästen aus dem Wasser gehoben und mit einer Standseilbahn übers Land transportiert werden.

Unsere Reisegruppe besteigt in Buchwalde (Buczyniec) die beiden Schiffe Cyranka und Cyraneczka. Während zweieinhalb Stunden erleben wir Aussergewöhnliches: Über physikalisch betrachtet „schiefe Ebenen“ geht es mit uns in vier Etappen abwärts bis zur Anlage Hirschfeld (Jelenie). Auf dem romantischen Wasserweg begegnen wir Schiffen der „Zegluga Ostrodzko-Elblaska" (Reederei Osterode-Elbing), einer weiteren Schifffahrtsgesellschaft. Seit 1992 unterhält der städtische Nahverkehrsbetrieb in Osterode die Schiffe Kormoran, Marabut, Birkut, Pingwin, Labedz und Ostroda (neuestes Schiff aus dem Jahr 1999), plus zwei kleinere mit 36 und 12 Plätzen. Pro Jahr erfreuen sich rund 30 000 ausländische und auch einheimische Touristen an dieser Schiff-Bergbahn.

Der Besuch des Maschinenhauses Schönfeld (Olesnica) zeigt Mechanik einer Industriegeschichte des 19. Jahrhunderts: die Anlage funktioniert seit Beginn 1860 ohne Strom. Ein Teil des oberschlächtigen Wassers verlässt durch einen Seitengraben den schiffbaren Kanal und treibt nach Öffnung des Schiebers ein Wasserrad mit acht Meter Durchmesser an. Dieses Wasser fliesst dann neben der „Bergbahn“ als Bach auf das untere Niveau und speist dort die Fortsetzung des Kanales. Die Drehenergie des Wasserrades wird durch ein Zahnrädergetriebe auf die Seilwinde übersetzt. Dieses beginnt nun langsam zu drehen und damit bewegen sich die zwei „Standeilbahnen“, die nun als eine Art Schwimmdocks die Schiffe aus dem Wasser heben und dann über Land fahren. Dabei werden Höhenunterschiede zwischen 13 und 24 Meter auf einer Länge zwischen 350 und 550 m überwunden. Ursprünglich diente der Kanal ausschliesslich der Güterschifffahrt. Der Bau der Eisenbahn 1893 liessen die Tonnagen zurückgehen. Die Gründung einer touristischen Fahrgastschifffahrt geht auf das Jahr 1912 zurück, das erste Passagierschiff hiess Seerose.

Heute gilt die Anlage zwar nicht mehr als „Weltwunder“, aber sie ist einzigartig auf der Welt. Als Vergleich wird in der Literatur der Morris-Kanal in den USA erwähnt, der aber inzwischen mehrfach umgebaut worden ist und nur noch sein Äusseres zu einem kleinen Teil erhalten blieb. Hier aber in Polen funktioniert noch alles nach der Konstruktion von Jakob Steenke, der den Kanal vor über 150 Jahre baute. Nun stehen grössere Renovationsarbeiten an. Die Uferbefestigungen sind unterspült und müssen saniert werden. Alle technischen Komponenten wie die Rampen, Schienen, Seilzüge, Wasserräder und Winden werden dabei unter denkmalpflegerischer Aufsicht erneuert. Dadurch kann der Kanal in diesem Jahr bis voraussichtlich Ende August 2014 nicht mehr durchgehend befahren werden. Die gesamten Arbeiten zur Erneuerung des Kanals werden mit mehr als elf Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert. Polen ist ein Reiseland, das ich gerne wieder besuche: ausser diesem „Weltwunder“ wäre auch die Masurische Seenplatte mit ihrer Schifffahrt und der reizvollen, unberührten Landschaft ein Ziel.

Das Schiff fährt im Kanal ins „Schwimmdock“. Dann beginnt dieses auf den Schienen zu fahren und hebt das Schiff aus dem Wasser (1. Bild). Nach einer leichten Erhebung, die das Wasser abtrennt, fährt die Standseilbahn bergabwärts auf das untere Niveau des Kanals (2. Bild). Die imposanten Umlenkräder sind in freier Natur und drehen z.T. unter Wasser (Bild 3). Unten angelangt „verschwindet“ die Seilbahn unter Wasser und das Schiff schwimmt auf. Bei unserer Fahrt gibt es „Gegenverkehr“: eine bergfahrende Einheit kommt uns entgegen. Ein Blick ins Maschinenhaus: Übersetzungsgetriebe sorgen dafür, dass die Seiltrommel (rechts) mit der richtigen Geschwindigkeit die Seile in Bewegung bringt. Bilder 1 und 5 Cl. Amstad, Text und übrige Bilder H. Amstad

Youtube-Beiträge:

http://www.youtube.com/watch?v=IBQw0Rk9Ifs

http://www.youtube.com/watch?v=yPbJQmMpzzA

http://www.youtube.com/watch?v=BVKMqv2h4qo

 
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Die Bise war mit vier Grad Kälte unangenehm. Trotzdem herrschte Feststimmung bei der Débarcadère in Vevey. Ballone weisen den Weg, die Anstehschlange für ein Billet zur ersten öffentlichen Rundfahrt ist 50 Meter lang. Auf der ersten Fahrt um 14.00 Uhr sind Stehplätze angesagt, auf der dritten Fahrt zwei Stunden später hat man bequem Platz. Das Radmotorschiff Vevey ist nach einer 20-monatigen grundlegenden Rennovation ab heute wieder in Betrieb. Es kam festlich beflaggt wie anno 1907 Vevey entgegen; vom Bisennebel und grauen Genfersee hob sich das Schiff strahlend ab. Erwartungsvoll bestieg ich das Schiff. Der CGN ist es gelungen, das Image seiner Belle-Epoque-Flotte von Jahr zu Jahr zu steigern. Die Bevölkerung beginnt das weltweit einmalige Kulturgut der acht Belle-Epoque-Schiffe zu entdecken und zu schätzen. Parallel dazu steigt auch die Qualität – nur die Fahrplanentwicklung lässt jetzt noch Wünsche offen.

Am 14. August 1907 war die erste Jungfernfahrt. Das von den Gebr. Sulzer aus Winterthur erbaute Schiff stand dann bis 1953 unter Dampf. Damals wurde bei sechs Dampfschiffen die Maschine durch eine dieselektrische Anlage ersetzt (siehe auch Link). Nach drei Millionen Kilometer Fahrleistung, was über 70 Mal der Erdumrundung entspricht, fuhr die „Vevey“ am 30. September 2010 das letzte Mal für lange Zeit. Langes Warten war angesagt, bis das Geld von den Kantonen Waadt, Genf und Wallis gesprochen wurde. Am 29. Mai 2012 begann dann die grundlegende Revision in der Werfthalle in Ouchy. 60 000 Arbeitsstunden stecken nun im „neuen“ Schiff, das auch eine neue Antriebsanlage bekam.

Ein Rundgang auf der „Vevey“ bietet Entdeckungen angenehmer Art: Der Salon mit seinem top-restaurierten Edelkastanien-Holztäfer und seinen nachgebauten Belle-Epoque-Lampen sowie den Bronzebeschlägen an Wänden und Deckstützen strahlt eine aussergewöhnliche Stimmung aus, die in seiner Wirkung durch den roten Teppich richtiggehend potenziert wird. Mit den Dampferfreunden ABVL (finanzielle Zuschüsse) und der APL (Association Patrimoine du Léman) mit einer fundierten denkmalpflegerischen Beratung war da ein gelungenes Team am Werk. Das fehlende Erlebnis der Pleuelstangen der Dampfmaschine wird versucht wett zu machen durch einen freien Platz im Mittelschiff, der wie ein „Dorfplatz“ wirkt. Die grosszügige Verglasung der Radkästen gibt den Blick frei aufs ganze Schaufelrad, unterstützt wird die Szenerie durch eine dem Rot der Räder angepasste Beleuchtung. Der 1. Klasse-Rauchsalon auf dem Vorschiff ist ein subtiler Wiederaufbau. Er bekommt seine Bedeutung auch vom Konzept her, diesen vom (Kunststoff-) Kamin und vom hinteren verglasten Gastrosalon zu trennen, was dem Bauzustand vor 1953 entspricht. Dieser Rückbau scheint mir besonders gelungen. Die „Vevey“ wird nun zum dritten Mal in Ihrem „Leben“ zur Schwerstarbeiterin: das Schiff wird das ganze Jahr im Einsatz stehen.*

Festlich beflaggt und gut besucht: der erste öffentliche Betriebstag der „Vevey“ vom Samstag, 16. November 2013. Noch fehlen die Handläufe und noch andere Details – auch der Auspuff muss verlegt werden. Didier Zuchuat, Direktor des Centre de documentation du Musée du Léman und Präsident der APL sowie der Architekt Nicolas Dupasquier haben mit ihrem Knowhow Wesentliches zum guten Gelingen der Salon-Rennovation beigetragen. Grosszügiger Platz im Mitteldeck, wo einst die Dampfmaschine stand mit Blick aufs Schiffsmodell (rechts) und die in Szene gesetzten Schaufelräder. Text und Bilder 1-4 H. Amstad, Bild 5 A-L. Amstad vom 23.11.13

*) Die „Vevey“ fällt wegen einer Kollision in Cully ab dem 26. November für enige Wchen aus. Vogesehen ist ab dem 13. Dezember bis Ende Jahr ein Einsatz  ab Genf: freitags auf der Abendfahrt und sonntags auf den Kurspaaren 330/331 sowie 738 bis 741.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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Das Internationalen Binnenschifffahrtstreffen IBT fand in diesem Jahr am Chiemsee statt. Nach 1977 und 1986 war damit die Familie Fessler mit ihrer Chiemsee Schifffahrt bereits zum dritten Mal Gastgeber für die Schiffsleute aus den drei deutschsprachigen Alpenländern sowie Holland und Frankreich. Das Kaiserwetter mit 18 Grad und wolkenlosem Föhnhimmel nutzten am ersten Tag einige der 420 Teilnehmenden für eine erste Rundfahrt auf dem drittgrössten See Deutschlands (nach dem Bodensee und der Müritz). Der Galaabend stand dann unter dem Motto „Zauberhaftes Bayern" mit hiesiger Folklore und geselligem Beisammensein. Seniorchef Ludwig Fessler war sichtlich stolz, unter den darbietenden 50 "Trachtlerinnen und Trachtler" die 11-jährige Stefanie und den 9-jährigen Martin zu begrüssen, "Fesslers" der 6. Generation des Schifffahrtsbetriebes.

1845 begann die dampfbetriebene Schifffahrt auf dem Chiemsee mit einer Dampfmaschine von Maffei und einer Kesselanlage von Josef Fessler in München. 1849 verkaufte der damalige Besitzer Wolfgang Schmid das Schiff an Josef Fessler, der seinen Sohn Ludwig an den Chiemsee schickte, um den Schiffsbetrieb zu führen. Kaum kam die Schifffahrt in Schwung wurde die Eisenbahn eröffnet; dadurch ging es dem Betrieb eine Zeitlang schlecht. Was blieb war die verkehrstechnische Erschliessung der Herren- und Fraueninsel. Als 1886 der bayerische König Ludwig II ums Leben kam gab sein Nachfolger Prinz Luitpold das Schloss auf der Herreninsel zur öffentlichen Besichtigung frei und damit war der Grundstein gelegt für eine touristisch erfolgreiche Entwicklung, die bis heute andauert. Über 400 000 Besuchende zählt das Schloss jährlich.

Beim Begrüssungsgeschenk zum IBT war ein Regenschirm dabei. Dieser kam dann auch zum Einsatz. Für den zweiten Tag wählten wir Ausflüge mit Kultur und Geschichte, die begleitet waren von Wasser unter und über uns... Eine spannende Führung durch das Schloss Herrenchiemsee zeigte die an Wahnsinn grenzende Idee von König Ludwig II, hier das Schloss von Versailles zu kopieren*. Nach einer weiteren Schifffahrt erreichten wir die Fraueninsel. Der kommentierte Inselspaziergang führte unter anderem in die Kirche des Benediktinerinnenklosters aus dem 8. Jahrhundert. Die Insel unterscheidet sich deutlich von der Herreninsel, ist kleiner und relativ dicht besiedelt. 250 Einwohner und 260 ha bilden zusammen mit der Kraut- und Herreninsel die kleinste politische Gemeinde Bayerns. Am keltischen Lindenplatz haben Geomanten einen Kraftort ausgemacht, der Tausende von Besuchenden pro Jahr anlockt. Zum Schluss der Exkursion genoss ich den Salon des Radschiffes Ludwig Fessler auf seiner letzten Kursfahrt dieses Jahres. Demnächst kommt das Schiff in die Halle zur Neumotorisierung. Jahrzehnte ist’s her, dass die „Ludwig Fessler“ im November gefahren ist. Dieses Radmotorschiff mit dem Baujahr 1926 ist in der Schweiz kein unbekanntes Schiff; seine Originaldampfmaschine ist in der neu renovierten „Neuchâtel“ eingebaut und wird 2014 sein zweites Leben beginnen.

Am Samstag-Abend fand in der Werfthalle noch der Empfang des Bürgermeisters statt, begleitet mit all zu lauten Salut- und Böllerschüssen, die zur Brotzeit überführen. Den Ausklang am Sonntag bildete ein bayerischer Frühschoppen mit Musik, Weisswurst, Brezel und Bier. Für mich gibt es noch eine letzte Runde mit MS Josef und die Besichtigung eines interessanten Projektes: Die Chiemsee-Schifffahrt bekommt im kommenden Jahr als 14. Einheit ein Schraubendampfer. Die originale „Siegfried“ aus dem Hause Escher Wyss u. Co, Zürich mit Baujahr 1910 hat über all die Jahrzehnte mitsamt der Maschine überlebt und wird zur Zeit in der Remise der Chiemsee-Dampfbahn generalüberholt.

Das braune Schanzkleid des Radmotorschiffes Ludwig Fessler passte gut zu den November-Herbstfarben am Chiemsee. In der Halle zieht der MAN-Dieselmotor die Fachleute mehr an als die Ansprache des Bürgermeisters (im Hintergrund links auf der Estrade). MS Irmingard (links) und MS Edeltraud stehen bereit für die Brotzeit. Patron Ludwig Fessler zeigte sich nach den drei Tagen sehr zufrieden, die Organisation eines solchen Anlasses ist jeweils mit grossem Aufwand verbunden. Zur Schifffahrt gehören auch die Chiemseebahn und Hotels. Lüpfiger Abschluss des 58. IBT in Form eines Frühschoppens; das 59. IBT findet am 7. bis 9.11.2014 am Traunsee (A) statt. Text und Fotos H. Amstad

Weitere Bilder: www.facebook.com/schiffsagentur/photos_albums

 *) König Ludwig II von Bayern war ein absoluter Fan vom Sonnenkönig Louis XIV und wollte ihm auf der Herreninsel einen „Tempel des Ruhmes“ widmen. 1878 begann der Bau des Schlosses und als die ersten 20 von 70 geplanten Prunkräumen fertig waren, ging das Geld aus. Er selber war nur 1885 ein einziges Mal auf der Insel, bevor er ein Jahr darauf starb. Der König lebte in einer Art Märchenwelt, liess auch Neuschwanstein erbauen und hatte vor, auf dem Rütli am Urnersee ebenfalls ein Prunkschloss zu erstellen. Er war auch von Wilhelm Tell angetan, bereiste begeistert den Vierwaldstättersee und charterte mehrfach ein Extraschiff der DGV, so 1865 und 1881.

 

 

 

 

 

 
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Heute ist der Lucerne Marathon angesagt, der Wetterbericht klingt gut. Doch es regnet am Morgen in Strömen. Zehn SGV-Schiffe sind heute unterwegs und dies im Winterfahrplan. Die „Winkelried“, „Brunnen“ und „Flüelen“ sind seit morgens früh im Pendeldienst zwischen dem KKL in Luzern und dem Verkehrshaus Lido eingesetzt, um Läufer und Zuschauer stresslos und auf dem kürzestem Weg an den Start und zum Ziel im VHS zu bringen. Bis am Abend klettert die Tagesfrequenz auf einen hochsommerlichen Wert von 21 128 Fahrgästen*. Ich besteige den Kurs 13_14, den heute MS Schwyz ausführt. Sehr gut frequentiert verlassen wir die Leuchtenstadt, im Blickfeld noch vier andere SGV-Schiffe, die im Luzerner Seebecken unterwegs sind. Ab morgen ist der „Schwyz“ eine kurze Winterpause gegönnt, der nächste Einsatztag ist das Chlausjagen in Küssnacht am Donnerstag, 5. Dezember 2013 (Link)*.

Endlich komme ich dazu, die Revision des Vierwaldstättersee-Motorschiffklassikers näher zu betrachten. Aussen ist bei der Renovation fast nichts verändert worden, sieht man von der Aufhebung des viert hintersten Fensters (Hauptdeck) ab. Daran wird man in Zukunft das Aufnahmejahr bei Fotos erkennen. Und auch daran, dass das undefinierbare SGV-Rot beim Aussenmobiliar durch ein Braun ersetzt wurde und die Achtern-Aussenbestuhlung moderneren Formen Platz gemacht hat. Fazit: Der Besteller Schifffahrt SGV, die ausführende Schwesterfirma Shiptec und die beratenden Designer Judel/Vrolijk aus Bremerhaven sind mit den historischen Strukturen des Schiffes sorgsam umgegangen. Die Versuchung ist jeweils gross, in solchen Situationen (Gebäude und) Schiffe auszukernen, um neuen Raumstrukturen Platz zu machen, die den heutigen Bedürfnissen besser gerecht werden und Abläufe optimieren. Dass dies bei der „Schwyz“ nicht passiert ist, ist meiner Ansicht nach eine erwähnenswerte Leistung beim ersten Umbau des Schiffes seit 1959. Das grosszügige Mitteldeck, wo einst mehrere Güterwagen parkiert wurden, blieb ebenso erhalten wie die beiden Ausladungen oder das Treppenhaus. Als schade empfinde ich, dass das Holztäfer im vorderen Erstklass-Salon einer nüchternen Kunstoff-Wandbekleidung Platz machen musste. Im ganzen Schiff ist das Thema Schwyz gestalterisch durchgezogen, wobei Zitate des Rütlischwurs wahrscheinlich eher auf das Bundesbriefarchiv in Schwyz Bezug nehmen als auf den „Tatort“, der bekanntlich auf Urner Boden liegt...

 

 

Drei strukturelle Ausnahmen sind auf den ersten Blick sichtbar: eine neue Verbindungstüre vom hinteren 2.-Klass-Raum aufs Freideck verschafft eine Attraktivitätssteigerung des bislang gefangenen Raumes. Der Wegfall der Bar im 2.-Klass-Salon vorne ermöglicht ein grosszügigeres Raumempfinden. Die transparentere Gestaltung zwischen den zwei 1.- Klass-Salons gibt den Blick frei vom Heck bis zum Bug. Gefallen finde ich auch am Hochtisch im 2.-Klass-Salon; er ist gerade zu meinem Lieblingsplatz geworden. Judel/Vrolijk gestalteten auch die “Saphir“, ein beim Publikum beliebtes Rundfahrtenschiff. Und die SGV hat mit dem gleichen Partner nun Grosses vor: die SGV versucht, mit dem Ersatz von MS Rigi einen weiteren Meilenstein zu setzen. Die Zielsetzung der Verantwortlichen ist eine Frequenzsteigerung allein durch das neue Dreideckschiff selber (Inbetriebnahme 2017). Inzwischen freue ich mich, dass die „Schwyz“ dank dieser Investition auf lange Zeit erhalten bleibt und ein ästhetisch wertvolles Werkstück der Schiffsbaukunst aus der Mitte des 20. Jahrhunderts darstellt.

Bild 1: MS Schwyz auf ihrer 2. „Jungfernfahrt“ am 18. Mai 2013. Bei der anschliessend stattgefundenen Besichtigung gaben Jan Kuhnert, CEO von Judel/Vrolijk und Ann Cathrein Jacobsen Auskunft über die intensiv geführten Studien vor dem Umbau der „Schwyz“. Bild 3: Die Gratwanderung zwischen erkennbarem Original- und aktuellem Design hinterlässt auf dem Schiff deutliche Spuren: so sind alle Türen im Glas/Alu-Design von 1959 erhalten, Wandelemente, Bodenbelege und Beleuchtungskörper stammen aus heutiger Zeit - hier mit dem Blick durch den ganzen 1.-Klass-Salon. Interessante Weiterentwicklung der konventionellen Schiffsbank: Die Alu-Holzkombination wirkt leicht und ist ergonomisch. Bild 5: An den Seitenwänden des Hauptdecks wurden Klapptische und -sitze montiert, die unbequem sind. Zwischen den Fenstern sind geschwungene, für mich gewöhnungsbedürftige Stilelement eingebaut. Bilder im Text: Die architektonische Gestaltung hauptsächlich der Innenräume bearbeitete 1959 das Architekturbüro Otto Dreyer, Luzern***. Die Sessel im vorderen 1.-Klass-Salon sind bewusst dem damaligen Schalenstuhl nachempfunden. Bild Textteil links: Schweizerische Bauzeitung, Text und übrige Bilder H. Amstad

*) Quelle M. Scheurer, Leiter Produktion Schifffahrt SGV (Anteil Marathon an der Frequenz: 80%).

**) Der nächste Grossanlass im Winterfahrplan der SGV ist das Rütlischiessen vom Mittwoch, 6. November 2013 (Fahrplan).

***) Die zeitgenössische Beschreibung der „Schwyz“ im Ursprungszustand ist in der Schweizerischen Bsauzeitung nachzulesen (Das Motorschiff "Schwyz" auf dem Vierwaldstättersee, Schweizerische Bauzeitung, 13.4.1961, 79. Jhg., H. 15, S. 245-257 (Link).

Weitere Blog-Texte zum Thema MS Schwyz: „Aus für die Sulzer-Motoren“, „Langsamläufer am Ende“

 

 
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Mittwoch, 23 Oktober 2013 08:10

Ostsee: Drei Dampfeisbrecher in drei Tagen

 

 

Heute ordne ich die Fotos von der spannenden Leserreise der Dampferzeitung, die anfang August in die Ostsee führte. Auf dieser Schiffserkundigung hatte ich vier Geldbeutel in der Tasche: polnische Sloty, schwedische und dänische Kronen sowie Euros für Stralsund, die zum Teil innert einem Tag mehrfach zu wechseln waren. Otmar Egli meinte in der Ausschreibung: „Fast kommt es einem vor, als machten wir eine Weltreise.“ Dabei waren alle Angebote innerhalb eines sehr angenehmen, engen geografischen Raumes angesiedelt: Per Schiff und Bus waren wir vor allem in der Arkonasee (zwischen Bornholm und Kopenhagen) und auf der Meerenge zwischen Malmö und Helsingborg unterwegs. Andreas Westphalen erwies sich einmal mehr als Kenner dieses Dampfer-Gebietes und führte uns unter anderem an drei nacheinander folgenden Tagen zu drei verschiedenen Dampfeisbrechern in drei Ländern.

Antonia Krämer ist einzige Frau im „Bauch“ des DS Stettin und beschickt von Hand eines der sechs Flammrohre mit Kohle. Zusammen mit ihren Kollegen füttert sie die Kesselanlage mit einer Tonne Kohle pro Stunde. Daneben ist auch die dreimannshohe Dreifach-Expansionsmaschine mit 2 200 PS eine imposante Erscheinung. Bis zu 120 Umdrehungen pro Minute stampfen die drei Kolben im Maschinenraum. Der Besuch der Antriebsanlage der „Stettin“ ist während der Fahrt jederzeit erlaubt – Technik zum Spüren, Begreifen, zum Riechen und... Schwitzen. Das grösste kohlebefeuerte Dampfschiff der Welt mit Jahrgang 1933 ist seit 1981 ein Museumsschiff. Wir stiegen in der gleichnamigen Stadt Stettin zu, wo gleichzeitig die Tall Ship Races 2013 für ein grosses Spektakel sorgten. 96 Segelschiffe waren hier vereint, darunter ein Dutzend Grossegler. Ich habe noch nie so viele Menschen an einem Ort gesehen, unglaublich. Und alle kamen wegen den Schiffen – und der Chilbi darum herum. Mit uns fuhr die „Stettin“ 65 km nordwärts über die Oder zum Ostseebad Swinemünde, dann nach dem deutschen Ostseeort Sassnitz. In ihrem 80. Jubiläumsjahr standen 43 Fahrten auf dem Programm, eine imposante Leistung des Vereins.

Am 6. August erreichten wir per Bus abends Malmö. Nach einem Spaziergang zum Hafen stand sie da: die „Bore“, der zweite Dampfeisbrecher unserer Reise. 30 Jahre dauerte die Renovation und seit diesem Jahr steht sie nun wieder unter Dampf. Das Schiff aus dem Jahr 1894 ist eine imposante Erscheinung, einer der ersten Dampfeisbrecher überhaupt und heute der älteste der Welt. Die Zweizylinder-Compound Maschine erreicht über 600 PS. Mich beeindruckte die sorgfältige Renovation: detailgetreue Nachbildungen von defekten Teilen, sorgfältige Restaurierung der Originalobjekte und dies mit viel Liebe zum Detail. Etwas irritiert hat mich, dass es dem Eigner nicht gelang, die am andern Tag geplante Probefahrt bereits heute zu machen – immerhin waren auf unsrer Führung die Öfen heiss.

Am 7. August stand mit der „Björn“ ein weiterer Dampfeisbrecher auf dem Programm. Wir kamen nach einer kurzen Fährefahrt von Helsinborg (Schweden) in Helsingör (Dänemark) an und schon von weitem sahen wir das schmucke Dampferchen im Hafen stehen, an prominentester Lage. Aus dem Schornstein entwich Rauch, der uns willkommen hiess. Auf der dreistündigen Rundfahrt auf dem Sund geniesse ich die wärmende Sonne und den leckeren Gourmetteller. Auch für diesen Dampfer dauerten, die Renovationsarbeiten 30 Jahre. Nun steht die “Björn“ (Baujahr 1908) seit 2012 wieder unter Dampf. Die Dreifach-Expansions-Dampfmaschine bringt bei 450 PS Leistung eine Tourenzahl von 130. Wir verabschieden uns vom noch einzigen dänischen Dampfeisbrecher mit letzten Fotos. Gibt es am Dampf-Rundum Flensburg im Jahr 2015 vielleicht ein Wiedersehen mit dem sympathischen Dampfer?

Der in Polen erbaute Dampfeisbrecher Stettin besuchte anlässlich seines 80.Geburtstages die Oder, hier in Swinemünde. Harte Männerarbeit können auch Frauen verrichten: eines der sechs Feuerlöcher wird gereinigt. DS Bore liegt in Malmö nur wenige Meter von ihrer ursprünglichen Bauwerft. Die historische Restaurierung machte vor den sanitären Anlagen nicht Halt. DS Björn empfängt uns im dänischen Hafen Helsingör. Die 33 Reiseteilnehmenden geniessen die Charterfahrt auf dem Schönwetterschiff. (Text und Bilder H. Amstad)

 

 

 

 

 

 
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Donnerstag, 17 Oktober 2013 18:18

Ein goldener Herbst 2013 für Schifffans

 

 

Ab Mitte Oktober fangen wir Schiffsfreunde uns normalerweise langsam darauf einzustellen, dass es ruhiger und beschaulicher wird auf den Gewässern. Doch in diesem Jahr ist alles ein wenig anders... Symbolisch für diesen speziellen Herbst steht für mich die Rückkehr von MS Oberhofen zurück in die Schweiz am Donnerstag, 17. Oktober 2013. Das Schiff wird zunächst im Basler Rheinhafen verweilen und dann im November auf den Thunersee verbracht. Ermöglicht wurde dies durch einen grosszügigen Schiffsfreund, der die „Oberhofen“ vom holländischen Reeder abkaufte und nun der BLS schenkte. Seit zwei Saisons geht es auf den Oberländer Seen aufwärts: neue Ideen, optimale Anschlüsse, Winterdampf und ein attraktiver Sommerfahrplan, welcher noch bis zum 27. Oktober andauern wird. Seit dem 16. Oktober wird Motorschiff Niederhorn täglich in den Kursen 7 8, 17 18 eingesetzt. So kommt die selten eingesetzte, formschöne Einheit im Herbst täglich zwei Mal nach Interlaken, dies bis zum Saisonende mit Abfahrt in Thun um 08.40 und um 13.40, Abfahrt ab Interlaken West 11.10 und 16.10. Ab dem 28. Oktober verkehrt täglich um 11.40 ein Schiff nach Interlaken und vom 25. Dezember 2013 bis zum 5. Januar 2014 wird DS Blümlisalp das zweite Mal nach 2012/13 über die Festtage den winterlichen Thunersee befahren und dies erst noch kursmässig.

Infolge Revisionsarbeiten am MS Titlis übernimmt MS Rigi auf dem Vierwaldstättersee die Lokalkurse ab Brunnen mit Start des Winterfahrplans am 21. Oktober. In besagtem Umlauf eingeschlossen ist auch eine Fahrt von Brunnen (11.14) nach Luzern und um 13.12 nach Flüelen.  Zurück ab Flüelen um 16.00 bis Beckenried mit Anschluss nach Luzern; die „Rigi“ kehrt dann wieder nach Brunnen zurück. Ein nostalgischer Rückblick in vergangene Zeiten mit dem sympathischen Schiff, dessen Tage gezählt sind. Nostalgisch geht es auf dem Vierwaldstättersee auch ab Dezember zu: DS Uri ist für verschiedene Winterdampffahrten im Einsatz, wobei wieder nicht kursmässig.

Den absoluten Höhepunkt aber bietet der Genfersee im November: Da steht doch DS La Suisse von Montag bis Freitag täglich auf den Pendlerkursen nach Evian im Einsatz! Und an den Novembersonntagen vom 3., 10. und 17. geht’s um 09.30 sowie um 11.00 nach Evian, bevor der Dampfer zur Mittagsfahrt nach Montreux um 12.30 aufbricht. Ab Genf steht DS Savoie (!) an Sonntagen und für einzelne Abendfahrten im Einsatz. Doch nicht genug der Höhepunkte: Der 16. und 17. November steht ganz im Zeichen von Radmotorschiff Vevey: nach einer aufwändigen Sanierung wird das Schiff an besagtem Wochenende wieder feierlich in Betrieb gesetzt: am Samstag mit stündigen Rundfahrten ab Vevey, am Sonntag ab Genf. Anschliessend wird die „Vevey“ gleich dem Betrieb übergeben: vom 18. bis 20. und vom 25. bis 27. November fährt das Schiff die Kurse 930 931 (12.30 ab Lausanne). Am Sonntag, 24. November geht es um 09.30 und 11.00 nach Evian sowie um 12.30 nach Vevey-Montreux-Chillon und zurück nach Lausanne (Ankunft 16.15).

Schon immer war der November mit seinen herrlichen Stimmungen, den fallenden Blättern und den goldenen Farben mein Lieblingsmonat – dieses Jahr mit wahrhaftig einmaligen Gelegenheiten spezieller Schifffahrten. Ich empfehle aber vor einer geplanten Reise die Internetseiten der jeweiligen Schifffahrtsgesellschaften zu konsultieren; Änderungen können jederzeit vorkommen.

Wer hätte das gedacht: MS Oberhofen, damals im Basler Rheinhafen auf dem Weg nach Holland (Bild 2) ist nun ist wieder zurück und wartet als "Vriendshap" am gleichen Ort auf seine Rückkehr auf den Thunersee. MS Rigi bei einem seiner seltenen Kurseinsätze nach Alpnachstad am 14.10.13. DS La Suisse wird auf den frequenzstarken Kursen am Morgen früh (ab 04.55) und die Abendkurse (bis 19.55. resp am Freitag bis 21.20) eingesetzt.Text und Bilder 1 - 3 St. Hellstern, Bild 4 H. Amstad

 

 
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Die Dampferfreunde Vierwaldstättersee und die Schiffs-Agentur machten gemeinsame Sache. Die „Gallia“ schloss an ihrem 99. Betriebstag heute die Jubiläumssaison 2013 mit einer Themenfahrt „auf den Spuren militärischer Schifffahrt“ ab. Es wurde zu einem erlebnisreichen Tag mit vielen Exklusivitäten, wo das zum Teil regnerische Wetter keinen Abbruch der guten Stimmung tat. Der Start war im Verkehrshaus der Schweiz VHS, wo die einen in Kleingruppen die Baustelle DS Rigi I besichtigten und andere die Zeit nutzten, die Schifffahrtsabteilung zu besuchen. In dieser befindet sich auch das zu Museumszwecken aufgeschnittene Patrouillenboot Spiez der Schweizer Armee.

Per Extrabussen gelangten wir anschliessend ins ehemalige Zeughaus in Rain, in dem das Verkehrshaus 5 500 Objekte lagert, unter anderem ausgesprochene Raritäten. Im VHS selber sind „bloss“ 2 500 Objekte ausgestellt, wie der Leiter Ausstellung und Sammlung Daniel Geissmann erläuterte. Auf diesem eindrücklichen Rundgang ist hier das Siegerboot des America-Cups Alinghi zu sehen, dort das Swissair-Archiv, in einem nächsten Gebäude eine der weltweit grössten (An-) Sammlung von Zweirädern, in einem andern eindrückliche "Amischlitten" aus James-Bond-Filmen. Da es sich hier nicht um eine Ausstellung sondern um ein Lager handelt, wirkt alles viel unmittelbarer auf mich – entsprechend gehen die 120 Besucher/innen mit grossem Respekt durch das weitläufige Zeughausareal.

Zurück am Lido empfängt die „Gallia“ über 300 Dampferfreunde zu einer exklusiven Rundfahrt, der Kapitän Hans Wipfli mit einem interessanten Jahresrückblick und Hansjakob Burkhardt mit Ausführungen zu unserer Themenfahrt „auf den Spuren militärischer Schifffahrt“. Das erste Betriebsjahr der „Gallia“ 1913 war ja bloss ein Jahr vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Europa wurde dann wenig später nochmals erschüttert durch den grössten militärischen Konflikt in der Geschichte der Menschheit, dem 2. Weltkrieg, der in der Schweiz zur Reduit-Philiosophie führte. Zu diesem Zweck entstanden z.B. an der unteren und oberen Nas je eine Festungsanlage und zudem ein schwimmenden Seehindernis, die 840 m breite Seeenge zu  sperren. Eine Waffenstellung öffnete für unsere Fahrt „ihre Tore“, d.h. sie wurden zum Teil sichtbar, während sie sonst mit Felsbemalung getarnt sind. Der Kenner und Autor Hj. Burkhardt* stellte uns dann als erstes das Patrouillenboot Uri vom Typ Risch II vor, dem ersten Kampfboot der Schweizer Marine. Gesteuert durch Rolf Gwerder imponiert die wunderbare Form des Schnellbootes, das heute durch einen Verein gepflegt und unterhalten wird (Heimathafen Rütenen Beckenried). Dann erscheint das Patrouillenboot der 2. Generation P41, die „Thun“, ein Schwesterschiff der oben erwähnten „Spiez“, gesteuert durch den Eigner Dany Bernhard (Heimathafen Stansstad). Die acht P-41 hatten verschiedene Motoren, sie erreichten eine Geschwindigkeit von 40 bis 45 km/h. Die „P-41“ war eine Weiterentwicklung der Firma Werner Risch in Wollishofen. Bewaffnet waren die P41 mit einer 24 mm Tankbüchse im Bug und einem 7,5 mm Flab-Doppel-Maschinengewehr am Heck. Dazu kamen ein Suchscheinwerfer sowie später das Schutzdach, der Radar und die Funkausrüstung.

 

Und schliesslich tauchte die 3. Generation von Patrouillenboote auf: die „Mars“ vom Typ P80. Sie ist eines der derzeit fünf in der Lützelau stationierten Boote zur Ausbildung des Bootsschützen-zuges, welche in Brugg und im "Ausbildungszentrum Nas Vitznau" ihre Rekrutenschule absolvieren. Die insgesamt 11 Patrouillenboote P80 der Motorbootkompanie 10 werden von der Armee auf den Grenzseen zur Aufklärung und Überwachung und  unbewaffnet auch von der Grenzwache eingesetzt. Den Besatzungen dienen eine moderne Radar- und Funkanlage sowie Wärmebildgerät, Echolot und GPS. Die Bewaffnung besteht aus zwei Maschinengewehren Mg 64 (12,7 mm). Die zwei Volvo-Penta Turbo-Dieselmotoren mit je 230 PS bringen 65 km/h aufs Wasser. Während die Dampferfreunde mit der „Gallia“ wieder nach Luzern zurück kehren gibt es für die Teilnehmenden der Schiffs-Agentur Spritzfahrten (im wahrsten Sinne des Wortes) mit der „Uri“ und der „Thun“. In Lützelau besichtigten wir unter der Führung von Adj Stephan Honegger ebenfalls die „Mars“ von innen. Der Abschluss des intensiven Tages war ein Besuch im Restaurant Schiff bei Vitznau, wo uns Toni Zimmermann einige Reminiszenzen zum Besten gab: so z.B. warum der Bug und das Steuerhaus des SGV-Dampfschiffes Pilatus in den Hotelgarten oder wie Requisiten und Teile des Salons eines Frachtschiffes aus Southampton nach Vitznau kamen und heute das Interieur des Restaurant schmücken.

Im VHS erhalten wir Einblicke in das „Innenleben“ eines Patrouillenbootes der Generation P41. Sicht auf die „Gallia“ von der Themenfahrt der Dampferfreunde und umgekehrt auf das P41 Thun. Auch die neuste Generation P80 wird vorgeführt, mittlerweilen auch 33-jährigig und noch bestens „im Schuss“. Die „Uri“ war das erste Kampfboot der Schweizer Arme und besticht durch seine Eleganz. Bild 2 H. Bürkli, Text und übrige Bilder H. Amstad.

*) Weitere Artikel über und von Hansjakob Burkhardt: Sprengstoff-Fabrik Isleten Link, Erinnerungen: mein Schulweg über den Urnersee Link. Weitere Details zu den Patrouillenbooten: Link und www.pbooturi.ch. Das Buch "Seesperre Nas - Schweizer Marine" ist beim Nidwaldner Museum in Stans erhältlich ( Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ).

Weitere Bilder: https://www.facebook.com/schiffsagentur/photos_stream

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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Sonntag, 29 September 2013 14:56

Guber: auch Nauen werden 100-jährig

 

Vor genau 100 Jahren liess der Unternehmer Hösli das Lastschiff in der Waser-Werft in Stansstad erbauen. Am 28. September lud nun der heutige Besitzer Meinrad Grüniger Bekannte und Freunde sowie die Beckenrieder Bevölkerung zu Rundfahrten ein. Aus Nah und Fern sind sie gekommen, unter ihnen auch bekannte „Seegusler“ wie Hugo Baumgartner und Rolf Gwerder, der in der Schulzeit auf dem Nauen Unterwalden mit Meinrad Murer unterwegs war. Das föhnig-warme Wetter unterstützte die gute Stimmung an Bord auf den Pendelfahrten zwischen der Rütenen und der Genossenwehre Niederdorf. Meinrad Grüniger weiss aus den Anfängen des Nauens zu berichten: „Hösli verkaufte dann seinen Steinbruch Risleten mitsamt dem Nauen an die Gebrüder Hugo und Franz Cerncic Brunnen, die bereits Betreiber des Steinbruches Fallenbach in Brunnen waren. Von 1923 bis 1927 mieteten die 'Meinrad Murer Söhne' aus Beckenried den Nauen für Transporte ab der Risleten."

Dann wurde die „Guber“ in den 40-er Jahren an die Gebrüder Ernst und Werner Baumgartner, Schifftransporte in Buochs, vermietet. Hugo, der Sohn von Werner Baumgartner, erinnert sich: „Als Schulbub war ich in jeden Sommerferien auf Deck zum Helfen, wischte den Kies und die Steine auf die Seite, damit die zwei bis drei Arbeiter die ‚Bsetzi-’ und Randsteine sowie den Bauschotter mit Karetten ein- und ausladen konnten. Nach Feierabend durfte ich jeweils den Nauen nach Buochs steuern.“ Angetrieben wurde das Schiff durch einen Sulzer Zweitakt-Dieselmotor (350 Umdrehungen pro Minute) mit Pressluft. Baumgartner: „Am Sonntag beorderte mich mein Vater jeweils zum Schiff zum Schauen, wie viel Wasser sich im Rumpf angesammelt hatte; die Holzschale war nicht dicht. Mit einer Güllenpumpe mit Riemen direkt am Dieselmotor gekoppelt  entleerte sich das Schiff jeweils wieder.“ Die Baumgartners fuhren mit der „Guber“ 40 Jahre lang unter anderem auch für den Steinbruch in der Risleten.

 Zu einer späteren Zeit kaufte die Murer & Co Beckenried den Steinbruch Rieselten mitsamt diesem Nauen, bauten die Holz- in eine Stahlschale um und ersetzen den Motor durch einen neuen GM-Detroit mit 70 PS Leistung. Da der Abbau im Steinbruch Risleten wegen dem bevorstehenden Bau der linksufrigen Autobahn eingestellt wurde, veräusserte die Murer & Co (heute AG Franz Murer) im Jahre 1971 das Lastschiff an die Waser AG, Baggergeschäft Stansstad. Der Wandel des Schottertransportes erlebte einen weiteren Strukturwandel: die Tage des Nauens als Flachdecker schienen gezählt zu sein. Die modernen Selbstausladeschiffe Fritz und Stans wie auch die "Reuss", "Luzern", "Uristier", "Rudenz" und später die "Beckenried" waren effizienter. Ein Käufer aus Holland zeigte Interesse am Nauen Guber, doch wegen seiner Länge von 24.5 m scheiterte der Schwertransport nach Basel an den Kosten. Meinrad Grüniger, als Schulbub ebenfalls in jeden Frühlings-, Sommer- und Herbstferien auf der „Schwalmis“ seines Onkels Edy Murer unterwegs, hört vom gescheiterten Versuch des Verkaufes. Grüniger ersteht den Nauen und holt ihn zu sich nach Beckenried. Seit 1979 stand die legendäre Boden-Wehre, einst auch Abfahrtsort der ersten Autofähre der Schweiz Beckenried - Gersau, leer. Der Nauen Bodä Edy wurde damals durch einen Besitzerwechsel zum heutigen Standort nach Stansstad versetzt. Am 17. September 2004 kam nun der Nauen Guber wieder zurück nach Beckenried und dient nun für Vereine, Klassentagungen, Hochzeiten, Betriebsausflüge, Uferbesichtigungen und anderes mehr für erlebnisreiche Fahrten auf dem Vierwaldstättersee.

Die „Guber“ am Steinbruch Risleten, ein hochinteressanter Einblick in eine heute in Vergessenheit geratene Produktionsmethode. Geladen wurde an den am Silo aufgehängten „Kenneln“. Am unteren Ende des Silos öffnete jeweils ein Arbeiter den Schieber, bis der Nauen genügend Ladung hatte. Das sog. „Reisen“ des Nauens (die richtige Verschiebung des Schiffs beim Laden, damit dieses keine Schlagseite bekam) war nicht einfach, da durch das rasch rutschende Material im Kennel der Nauen immer wieder vom Ufer weggetrieben wurde. Rolf Gwerder beschreibt die Abläufe, wie sie im ersten Bild ersichtlich sind: „Vom Steinbruch her gelangte das steinige Rohmaterial mit den Rollwagen auf Geleise zur Verarbeitung. Die Rollwagen wurden jeweils mit einem Wellenbock (Seilwinde) die Rampe heraufgezogen und oben in den Brecher gekippt. Links vom Silo ist der Steinbrecher sichtbar, welcher das gesprengte Gestein vorgebrochen hat. Danach wurde das Material mit dem Elevator aufs Silo hinauf gefördert und von der Siebanlage in verschiedene Komponenten aussortiert. Das Material fiel anschliessend ins jeweilige Silo oder wurde dem Feinbrecher zugeführt.“

Der Nauen Guber dient seit 2004 für Gesellschaftsfahrten, hier für eine Besichtigung des Schwimmbaggers Risleten. Meinrad Grüniger ist zuversichtlich, dass er auch nach der angekündigten Verschärfung der BAV-Schiffbau-Gesetzgebung mit seinem „Guber“ unterwegs sein kann; sein Schiff ist bereits mit den in Zukunft notwendigen Schottwänden ausgerüstet. Bild 1 Archiv H. Baumgartner, Text und übrige Bilder H. Amstad

 

 

 

 
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