plus minus gleich
Artikel nach Datum gefiltert: September 2017

Am Wochenende vom 23./24. September holte die Obwaldner Bevölkerung zusammen mit Politikern und Freunden der Sarnersee-Schifffahrt ins Bewusstsein, dass die „Seestern“ sowohl touristisch wie auch als Erschliessung eines Naherholungsgebietes eine wichtige Rolle spielt. Der Anlass hiess „Tag der Sarnersee-Schifffahrt“. Am Samstag waren die vorbereiteten Höhepunkte: eine Flottensternfahrt, ein Festakt und die Vernissage des Buches „sarner see fahrt“. Am Sonntag sorgte ein Fünflibertag für volle Schiffe. „Flottensternfahrt“, „volle Schiffe“? Wie geht das mit nur einem Schiff?

An der Ausfahrt beteiligten sich nebst MS Seestern noch drei weitere Fahrgastschiffe – so viele waren seit den 60-Jahren nicht mehr auf dem Sarnersee. Der Gastgeber MS Seestern, dann die seit 1974 In Privatbesitz befindliche „Doris“ II (Baujahr 1943 und von 1949 bis 74 als Kursschiff auf dem Sarnersee), der Schraubendampfer St. Urs aus Solothurn, der als „Volta“ 90 Jahre lang auf dem Sarnersee schwamm und der wohl kleinste Raddampfer der Schweiz, die „Liberty Belle“ aus Emmenbrücke (jährlich regelmässiger Gast auf dem Sarnersee). Nur all zu gerne hätte das OK auch noch die „Seestern“ I (1945) nach Sarnen geholt; dieses legendäre Sarnerse-Schiff aber wurde kürzlich verschrottet, nachdem es monatelang auf einem Trailer beim Bahnhof Füelen an Land lag.

Und was wurde gefeiert? Bildungsdirektor Franz Enderli überbrachte Grussworte des Regierungsrates: „Wir feiern die Menschen auf und um den See – Menschen, die den See für andere zugänglich und erlebbar machen. Wir schauen auf Menschen und ihre Geschichten. 2017 können gleich mehrere Seegeschichten erzählt werden. Während 30 Jahren hat Franz Weiss, der Mann mit dem unverkennbaren Basler Dialekt, die Schifffahrt auf dem Sarnersee geführt. Die fahrplanmässige Schifffahrt wird bereits seit über 120 Jahren betrieben. Nach 25 Jahren kommt die ‚St. Urs’, unsere ehemalige ‚Volta’, zum ersten Mal wieder auf den Sarnersee zu einem Besuch und in diesem Jahr kann das MB Doris nach einer umfassenden Renovation erneut in den See stechen.“

Diese Geschichten sind nun aufgebarbeitet und im Buch „sarner see fahrt“ veröffentlicht worden*. Basis dazu bildete die 1991 erschienene Broschüre „Sarnersee – Juwel Obwaldens“, die nun erweitert, ergänzt und mit völlig neuem Bildmaterial, mit 64 Fotos ausgestattet, aktualisiert wurde. Nach den bleibenden Erinnerungen befragt, erläuterte an der Buchvernissage der Mitautor Mario Gavazzi: „Es waren vorab Begegnungen mit Innovationen und Begegnungen mit Menschen. Innovation war nur schon das Wagnis, 1896 auf dem Sarnersee eine öffentliche Schifffahrt zu betreiben. Gewinnaussichten konnte wohl niemand erwarten, vielmehr war es ein Mix von Grunderschliessung für touristische Zwecke im Zusammenhang mit dem erfolgreichen Hotel Waldheim in Wilen und für die Wirtschaft der Möbelindustrie von Wilen zur Bahnstation Sachseln.“ Wer kann sich heute noch vorstellen, dass eine holzverarbeitende Firma ihre Produkte, nicht selten ganze Holzbauten, auf einem Nauen über den See zur nächstgelegenen Bahnstation befördert hat? Auf dem Sarnersee hat es das gegeben, mit dem Transport von Möbeln der Firma Läubli von Wilen zum Bahnhof Sachseln.

Weiter zum Stichwort „Innovation“ führte Mario Gavazzi aus: „Technisch gesehen war die Indienstnahme des Schiffes Volta mit Elektromotor anstelle des früheren Dampfantriebes innovativ. Man muss sich das vorstellen, 1903, ein mit Akkumulatoren betriebenes Schiff, abgasfrei und ohne Motorenlärm. Es gab in der Folge auch Last- und andere Fahrgastschiffe, die mit Elektroantrieb ausgerüstet waren. Ich muss immer etwas schmunzeln, wenn sich heute Ingenieure für ihre Entwicklungsfortschritte im Hybrid- und Elektromotorenbereich rühmen. Das dürfen sie natürlich tun, denn diese Antriebsform ist unsere Zukunft, wenn dereinst die fossilen Brennstoffe zu Ende gehen. Mit Blick auf den Sarnersee dürfen wir aber mit Respekt festhalten: alles schon mal dagewesen.“

Das zweite Thema, das Gavazzi an der Buchvernissage ausführte war die Begegnung mit Menschen. Gehen wir diesen Menschen mal nach. Edwin Rebmann kann als Pionier der Sarnerseeschifffahrt betrachtet werden: er bekam 1896 als erster vom eidgenössischen Post- und Eisenbahndepartement in Bern die Bewilligung, mit seinem Naphtaboot Mignon Personentransporte durchzuführen. Dann kamen 1903 die bereits erwähnten Gebr. Läubli von der Möbelfabrik, die mit der ehemaligen „St. Urs“ aus Solothurn nun als „Volta“ in den Personentransport einstiegen. 1909 folgte ein weiterer: Theodul von Ah baute gar eine eigentliche Flotte von vier Schiffen auf und bediente vor allem von Sachseln aus das Hotel Waldheim; seine Schiffshütte existiert noch heute und ist vom Zug aus beim Bahnhof Sachseln gut zu sehen. Seine jüngste Tochter (Jahrgang 1930, einzige noch lebende direkte Nachfahrin) war am Fest auch eingeladen, zog aber die Hochzeit einer Enkelin verständlicherweise vor. Gret Dillier-von Ah stand ebenso wie ihre sechs Geschwister als Jugendliche öfters am Steuer. „Es war nicht immer nur lustig“, erinnert sie sich und zeigte sich im Gespräch nicht überrascht, dass es keine „2. Generation Schiffsbetrieb von Ah“ gab...

Dies schaffte dann der nächste Betreiber: Niklaus Heimann (zeitgenössische Schreibweise, später Heymann) begann 1934 mit einem neuen Betrieb, dieses Mal ab Sarnen. Bereits vier Jahre später ergänzte ihn sein Sohn Felix. Er ersuchte dann im Jahr 1956 in Bern eine eidgenössische Konzession, die er dann nach Konsultation des Obwaldner Regierungsrates 1959 auch bekam... Zu einer dritten Generation kam es dann nicht mehr; keines der fünf Kinder von Felix konnte den wenig lukrativen Betrieb übernehmen. Da sprang im Herbst 1985 Franz Weiss ein; zuvor hatte er mit seiner Frau Heidi den Kiosk Seefeldimbiss übernommen. Diese Kombination von Restaurant und Schiff ergab dann bis heute eine Existenzgrundlage.

Bilder: MS Seestern und das ehemalige Sarnersee-Kursschiff Doris (II) an der Schiffsparade. Blick vom Sarnerseeschiff Volta, das ehemalige und heute wieder rekonstruierte Dampfboot St. Urs aus Solothurn mit den heutigen Eigner Thomas und Antoinette Schmid sowie Martin (Bild) und Esther Schmid. Für den Galaabend stürzten sie sich in historische Galauniform des 19. Jahrhunderts. Auch die „Liberty Belle“ (1987, auch ein Jubilar!) machte sich bei der Sternfahrt gut (Bild im Textteil). Erwin Heymann (Sohn des Felix und Enkel des Niklaus) moderierte den Abendanlass, rechts im Bild der jubilierene Eigner der heutugen Sarnersee-Schifffahrt Franz Weiss mit dem neuen Buch in der Hsnd "sarner see fahrt". Text und Bilder H. Amstad

Bemerkungen: *) Das Buch ist im Verlag der Schiffs-Agentur erschienen und kann hier (Link) bestellt werden. 68 Seiten, illustriert, CHF 24.00

Chronik Schifffahrt Sarnersee: 1887 Edwin Rebmann: Mignon  •  1903 Gebr. Läubli: Volta, Watt°, Brünig°  •  1909 Theodul von Ah: MB Rex, Gertrud, Delphin, Kismet  •  1934 Niklaus Heimann: Doris I  •  1938 Niklaus und Felix Heymann: Doris I, Felix, Doris II  •  1956 Felix Heymann: Felix, Seestern I  •  1970 Fredy Fanger: Tschifeler°, Schiller°, Steinrose°  •  1976 Franz Weiss: Seestern I, Seestern II

°) Nauen, zeitweise auch für Personentransport eingesetzt

 
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Der Taktfahrplan hat grundsätzlich viele Vorteile: er ist kundenfreundlich, die Zeiten sind leicht zu merken und die Betreiber profitieren von Vereinfachungen in den Abläufen. Die gleichen Vorteile gelten auch für den Vierwaldstättersee, wo der Takt seit 2009 gilt. Mit einher ging ein beachtlicher Angebotsausbau, wodurch bislang störende „Fahrplanlöcher gestopft“ und alte Kundenwünsche, auch die von Anrainergemeinden, erfüllt werden konnten. Dass bei diesem Systemwechsel die Buochserbucht zu den Verlierern gehörte war weniger der Taktidee anzulasten als vielmehr dem Konzept, dass die SGV mit einer kürzeren Fahrzeit nach Flüelen die Kosten des Angebotsausbaues teilweise kompensieren wollte. Dies führte in Buochs und Ennetbürgen zu lauten Protesten. Leise Kritik war auch von Vielfahrern zu hören: der Verkehr werde monoton, die Verbindungen langweilig, weil immer zur gleichen Zeit meist das gleiche Schiff jahraus jahrein unterwegs sei. Insider und Habitués monierten wegfallende Umsteigemöglichkeiten an verschiedenen Stationen.

Seit der Einführung des Taktfahrplanes sorgen Kursspezialitäten, also spezielle Schiffseinsätze, für den besonderen Reiz der Abwechslung und Besonderheiten. So wurde in der Saison 2017 der Küssnachtersee zum Eldorado einer eigentlichen Flottenschau.

Wie kunterbunt die Schiffseinsätze auf der Küssnachterlinie waren, zeigte sich in den letzten vier Wochen des Sommerfahrplanes 2017 (in der Reihenfolge Kurse 151, 153, 155, 157):  Am 19. August eröffnete MS Titlis den Reigen, gefolgt von DS Unterwalden, MS Flüelen und DS Uri. Einen Tag darauf kam MS Schwyz nach Küssnacht, gefolgt von der „Unterwalden“, „Brunnen“ und der „Cirrus“. Am 1. September legten nacheinander MS Europa, DS Unterwalden, MS Cirrus und MS Flüelen in Küssnacht an. Edel wurde Küssnacht einen Tag darauf mit DS Gallia, DS Unterwalden, MS Brunnen und MS Diamant bedient. Am 9. September machte MS Flüelen den Morgenkurs, dann kamen DS Unterwalden, MS Gotthard und MS Waldstätter zum Ort an der Hohlen Gasse. Diese aussergewöhnliche Vielfalt war in erster Linie der Eröffnung des Bürgenstock-Ressorts zu verdanken. MS Titlis wird seither nämlich den ganzen Tag für den Pendeldienst von Luzern nach Kehrsiten eingesetzt.

In diesen vier Wochen standen auf dem Kurs 151 (Luzern ab 1000 h) acht verschiedene Schiffe im Einsatz (Ti, Sz, Ci, Eu, Ga, Wa, Go, Fn) und auf dem Kurs 153 (Luzern ab 1200 h) immer die „Unterwalden“. Auf dem Kurs 155 (Luzern ab 1400 h) verkehrten sechs verschiedene Schiffe (Fn, Bu, Ci, Ti, Wa, Go) und auf dem Abendkurs 157 (Luzern ab 1600 h) wurden sieben verschiedene Schiffe eingesetzt (Wa, Ur, Ci, Ti, Fn, Bu, Di). Dank der verschiedenen Kombinationen war selten ein Tag gleich wie der andere: mit 12 verschiedenen Schiffen wurden die Küssnachter geradezu verwöhnt.

Dieser nautische Hotspot war in der Vergangenheit aber alles andere als eine Lieblingslinie der SGV. Immer wieder musste der Bezirk Küssnacht politisch intervenieren, damit die Linie einigermassen bedient wurde. Nicht selten war die „Mythen“ selbst im Hochsommer das höchste der Gefühle. In den Siebzigerjahren galten während des Sommerfahrplanes für die Küssnachterlinie drei komplett verschiedene Fahrpläne: einer für die Werktage vom 1. Juli bis 24. August, einer für die übrigen Werktage und einer für die Sonntage. Der Hauptkurs (damals um 1415 h) führte vor 1967 in der Regel MS Waldstätter (II) aus. Oft wurde auch an Sonntagen MS Rütli oder, wie erwähnt, MS Mythen eingesetzt. Seit seiner Inbetriebnahme 1966 war dann MS Pilatus ab 1967 Jahrzehnte hauptsächlich auf der Küssnachterlinie anzutreffen. Aber auch die „Titlis“ und „Waldstätter“ waren in Küssnacht regelmässige Stammgäste. Den Morgenkurs machte oft MS Rütli und ab dem 4. Juli 1981 dann MS Brisen.

An den Werktagen vor dem Juli und nach Ende August hatten das Schiff und die Mannschaft nach der Ankunft nach 15.00 Uhr kapp zwei Stunden Pause. 1977 arbeitete ich als Saisonkassier und erinnere mich noch gut an diese Fahrten. Man braucht keine grosse Fantasie, um sich vorzustellen, wie jeweils diese „Pause“ genutzt wurde. „Ab i d Beiz“. Ausgelassen ging es jeweils in der Dorfknelle zu und her, wo nicht selten bereits am späten Nachmittag die Stimmung top war und ein Tabledance der Serviertochter für guten Umsatz sorgte. Für mich als „Landei“ waren diese Erlebnisse eine spezielle Art von Weiterbildung... Nicht selten kam es vor, dass auf der Rückfahrt mit der „Pilatus“ der „Alte“ mich bat, die Kasse geschlossen zu halten und ihn im Steuerhaus zu begleiten und so nach dem Vieraugenprinzip nach Luzern zu fahren... So köstlich das heute anmuten mag, so verständlich und gut ist es, dass diese Zeiten vorbei sind.

In den für dieses Phänomen bekannten Achtzigerjahren erfasste unter Direktor Ruedi Ineichen der Rationalisierungswahn auch die SGV. (Selber erlebte ich, wie MS Rütli z.B. bei Regenwetter den Stadt Luzern-Kurs 13 ausführte...) So bekam die Küssnachterlinie 1983 den Fahrplanzusatz „Täglich vom 26. Juni bis 28. August, übrige Zeit nur bei schönem Wetter“ verpasst. Die Pause in Küssnacht verschwand, in der Hochsaison gab es fortan drei Kurse: um 0935 h, 1320 h und 1555 h. Als dann 1988 Hans Meiner das Zepter übernahm, entfiel dann das unsinnige „Schönwetterzeichen" wieder. Die Luzerner Abfahrtszeiten wurden leicht angepasst: ab 1015 h (später 1020 h), 1330 h (später 1335 h) und 1550 h (später 1545 h).

2009 bekam dann der Küssnachtersee zuerst einen „Hinketakt“: 1015 h, 1400 h und 1600 h. Doch ein Jahr später konnte sich die Küssnachterbucht dann voll entfalten: Erstmals in der Geschichte der öffentlichen Schifffahrt fuhren nun vier Schiffe in den Nordarm des Vierwaldstättersee und das erst noch mit einem ab Luzern „sauberen“ Zweistunden-Takt: 1000 h, 1200 h, 1400 h und 1600 h. Die Freude der Küssnachter bekam dann allerdings einen kurzen Dämpfer: von 2012 bis 2016 liess sich die SGV auf das Experiment ein, den Zmittagdampfer exklusiv, sozusagen ausserhalb des Fahrplanes und dessen Tarife laufen zu lassen. Das hatte zur Folge, dass um 1200 h wieder kein Schiff mehr nach Küssnacht fuhr. Seit 2017 nun ist die Taktordnung wieder hergestellt und der beliebte Zmittagdampfer Unterwalden sticht erneut allmittäglich in den Küssnachtersee. Hoffen wir für uns Konsumenten und für den Bezirk, dass dies noch möglichst lange so bleiben wird. Wann waren Sie das letzte Mal auf diesem lieblichen Arm des Vierwaldstättersees?

Bilder: Die „Waldstätter“ peilt von der Morgensonne beleuchtet auf Kurs 151 die nördlichste Station aller SGV-Anlegestellen an. Der Flecken Küssnacht wird erst nach der Einmündung in die Bucht schön sichtbar, hier aus der Optik der „Cirrus“. Das Anlegemanöver bedarf der Konzentration der Schiffsführer: es bleibt für grosse Schiffe wenig Platz für das 90°-Manöver (Bild an Bord der „Diamant“). Ein seltenes Bild: MS Diamant auf Kurs 157 in Küssnacht. Und ein häufiges Sujet: DS Unterwalden auf Kurs 153. Die „Cirrus“ hat eigentlich die ideale Grösse für das Verkehrsaufkommen auf dem Küssnachterarm, mit vielen Innen- und für diese Kurse genügend Aussenplätzen. MS Schwyz ist an Sonntagen oft auf dem Morgenkurs in Küssnacht, dies in Verbindung mit dem Zmorgeschiff (Text und Bilder H. Amstad).

 
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Dieser (B)Logbucheintrag sieht auf den ersten Blick aus wie eine „Publireportage“, also ein werbemässiger, bezahlter „Redaktionsbeitrag“. Dem ist aber nicht der Fall; ich habe mich für den öffentlich ausgeschriebenen „Jubliäums-Event 10 Jahre Globoship“ angemeldet (und bezahlt), weil es für mich viele unbekannte Programmpunkte gab und diese Firma ein Partner der Schiffs-Agentur ist. In der Vergangenheit durften wir immer wieder Kooperationen eingehen. Der Leiter von Globoship, der Luzerner Urs Steiner, war ab 2001 für sechs Jahre Leiter des SGV-Reisezentrums in Weggis, von wo ich ihn kannte. Urs Steiner wandte sich 2007 an Globetrotter Tours, um sein Geschäftsmodell „Schiffsreisen auf Frachtschiffen“ vorzustellen. Der damals boomende Markt passte nicht recht ins Potfolio der SGV und so stiess Urs Steiner an seine unternehmerischen Grenzen. Bei Globetrotter Tours rannte er hingegen offene Türen ein.

In den letzten 10 Jahren hat sich das Geschäftsumfeld allerdings stark verändert: die Nachfrage nach Frachtschiffreisen ist weit höher als das Angebot. Steiner: „Die Konzentration der Reederei-Betrieben hin zu Grosskonzernen hat zur Folge, dass für diese die Mitnahme von Passagieren uninteressant wird.“ Waren noch vor wenigen Jahren die Einnahmen von vier mitgereisten Fahrgästen auf den Frachtschiffen eine willkommene Einnahmequelle, so ist dieser Zweig im neuen Business-Denken zu aufwändig. Regulative und verschärfte Sicherheitsvorschriften in den Häfen fördern diese Art von Tourismus ebenso wenig wie die Feststellung, dass die Besatzung immer weniger „Schiffler“ und Nautiker mit Herzblut sind, als vielmehr Technologen und Industriearbeiter, denen es in erster Linie nicht um den Kontakt und das Wohl der mitreisenden Gäste geht. Auch die Aufenthaltsdauer in den Häfen ist vom Stückgutfrachter zum reinen Containerschiff stark verkürzt worden. Standen noch vor wenigen Jahrzehnten die Schiffe mehrere Tage in den Häfen, so sind es heute nur noch einige Stunden. Der am Globoship-Event anwesende Hochseekapitän Erhard Manske sagte: „Ich selber kam während meiner letzten Tour während vier Monaten ein einziges Mal vom Schiff, dies auch nur wenige Stunden, um einer Einladung nach zu kommen.“

Ist dies das Ende der Passagierreisen auf Frachtschiffen? Urs Steiner: „Nein, erfreulich ist ja nach wie vor die Nachfrage und wir sind stets bemüht, neue Schiffe und Redereien zu finden.“ Hingegen reicht der Umfang des Umsatzes wegen der erwähnten Umstände nicht aus, ein Unternehmen ausschliesslich auf dieses Segment abzustützen. Der am Event ebenfalls anwesende CEO der Globetrotter Tours* Mischa Niederl: „Heute macht die Frachtschifffahrt noch 25 % des Umsatzes von Globoship aus; unser Geld verdienen wir zusätzlich mit Nischenangeboten im Kreuzfahrtenbereich.“ Der Umsatz erlaubt es, mit einer Teamgrösse von sechs Personen, die sich fünf Vollzeitstellen teilen, einen kompetenten Service zu bieten. „Wir sind die stärksten Kunden von HAPAG-Lloyd Cruises in der Schweiz – Reisebüros buchen bei uns,“ erzählt Mischa Niederl und das mit berechtigtem Stolz. Am heutigen Jubiläums-Event traf ich unter den anwesenden 80 Gästen aber ausschliesslich „Frachtschiff-Reisende“ an; diese wussten einiges zu erzählen und sie waren sich nach meiner entsprechenden Frage einig, dass sie mit den Leistungen von Globoship sehr zufrieden sind.

Wie kam Steiner zu dieser Leidenschaft? „Mein Vater lebte eine Zeitlang in den USA und war bereits in den Fünfzigerjahren mit Frachtschiffen zwischen den Kontinenten unterwegs. Bei Auslandferien ‚mussten’ wir bei jeder Gelegenheit in den Häfen die Frachtschiffe anschauen gehen – das hat geprägt.“ Nach der Lehre bei einer Bank konnte Urs Steiner die auf Frachtschifffahrt spezialisierte Einzelfirma von Hans Wagner übernehmen, der altershalber kürzer trat. „Welches ist das typische Publikum?“ wollte ich von ihm wissen. Steiner: „Die einen sind 60plus, Individualisten, unabhängig und ein bisschen abenteuerlustig. Die andern sind zwischen 25 und 35 und machen mit Frachtschiffen Reiseetappen von A nach B, also einfache Passagen bei der Welterkundung.“ Willi von Arb (60plus) war schon über ein Dutzend Mal auf Frachtschiffen unterwegs. Was reizt ihn an der Sache?

Von Arb: „In den frühen 60-iger Jahren bin ich aktiv als Maschinist und Elektriker auf Hochsee-Frachtschiffen gefahren. Es war damals die einzige Möglichkeit, eine aufgezwungene Offizierslaufbahn im Militär zu umgehen. Diese Zeiten mit schwankenden Planken haben eine Leidenschaft in mir für die Seefahrt und Frachtschiffe geboren. Leider fuhr ich damals nie durch den Panamakanal, was ich später nachholen wollte. So kam ich vor gut 10 Jahren mit Urs Steiner in Kontakt, der mir die erste Passagierreise auf einem Frachtschiff, durch eben diesen Kanal, organisierte. Es blieb nicht bei dieser einen Reise. Urs Steiner ermöglichte mir später einen Einblick in das Leben der Partikulierer auf den Binnengewässern von Nordeuropa.

Mit zunehmendem Alter war ich froh, nicht mehr wochenlang, tausende von Meilen von zu Hause weg zu sein. So habe ich nun die Hochsee- mit Flussschiffsreisen getauscht. Seit acht Jahren verbindet mich eine enge Freundschaft mit zwei Schifferfamilien in Deutschland, die mir einen tiefen Einblick in das harte, heutige Los von Binnenschiffern ermöglichen. Die Probleme in diesem Geschäft sind die gleichen wie bei der Hochseeschifffahrt. Die Dimensionen sind kleiner, dafür familiärer und haben durchaus auch ihren Reiz, man muss in nur sehen. Das versuche ich in meinen Filmen auf YouTube von den Reisen mit den Schiffen MS Plochingen, MS Kiesfracht und MS Seestern den interessierten Leuten zu vermitteln“.

Der Jubiläumsanlass 10 Jahre Globoship fand auf dem Zürichsee statt und bescherte mir wie erwähnt einige Premieren. So das Zürcher Theaterschiff Herzbaracke, das schwimmende Salon Theater, das zur Zeit in Thalwil vor Anker liegt. Unter der Führung von Federico Pfaffen und seinem rührigen Team gelingt es, das schwimmende Theaterschiffes während acht Monaten auf Tournee zu bringen, „meist ausverkauft“, wie der Betreiber sagt. „Es macht Halt in Zürich Bellevue, Thalwil, Stäfa und Rapperswil. Wir verschieben es jeweils mit dem Schlepper Möve der KIBAG.“ Während den andern vier Monaten wird repariert, aufgefrischt und die neue Saison geplant. Die Küche wird besonders gelobt, die Kulturaufführungen werden kulinarisch begleitet.

Die zweite Neuentdeckung war eine Transferfahrt auf der „Frösch“, einem sog. Backdeckkreuzer, der ein Dutzend Gäste von Thalwil nach Horgen brachte. Mit dem Aufkommen der privaten Ausflugschifffahrt um 1900 begannen einige Werften, inspiriert vom Yachtbau in den USA, Boote für die „Freude der Bürger“ zu bauen. Die Stiftung Historische Zürichsee Boote sammelt seit einigen Jahren Zeugen von Werften an den Zürcher Seen, restauriert und hält sie in einem “mobility“-änlichen Sharingsystem nachhaltig in Betrieb. Die “Frösch“, 1921 erbaut bei Suter & Portier in Meilen und die am Event ebenfalls eingesetzte „Ajax“ aus dem Jahr 1936 (Werft John Faul Horgen) mit ihren Fahrgästen trotzten dem Regenwetter.

Schliesslich war ich noch nie auf dem 1974 für den Personentransport umgebauten Ledischiff Ufnau mit dem stolzen Jahrgang 1908. Dieses Motorlastschiff der Kibag stand von 1908 bis 1974 für den Kies- und Sandtransport auf dem Zürichsee im Einsatz. Für 100 Personen zugelassen ist es eine fahrende Festhütte; mit festen Aufbauten versehen schützt es die 80 Gäste am heutigen Jubeltag „10 Jahre Globoship“ vor dem Regen.

Bilder: Start bei Kaffee und Gipfelis im Salon Theater Herzbaracke. Während rund 20 Gäste mit der „Ajax“) (links) und der „Frösch“ nach Horgen fahren, bringt die „Ufnau“ die andern Gäste von Rapperswil her zum Einstiegsort des ZSG-Schiffes Uetliberg. An Bord nehmen wir das Mittagessen ein. Hier die Führungscrew von Globoship: von links Urs Steiner, seine Stellvertreterin Alexandra Gräff-Bauer und sein Chef Mischa Niederl (CEO der Globetrotter Tours). Kapitän Erhard Manske brachte mit seinen Ausführungen das Hochsee-Gefühl auf den Zürichsee. Verabschiedung in Rapperswil. Text und Bilder H. Amstad

Bemerkungen *) Globoship, Globotrain, Globotrek, Music Cruise und Background Tours sind zusammengefasst zur „Globetrotter Tours AG“. Diese wiederum ist Mitglied der Holding Globetrotter Group. Die unterschiedlichen Unternehmen sind alle eigenständig und operieren mit eigenen Geschäftsleitern. Gegründet wurde die Globetrotter Group im Oktober 2009 von Walter Kamm, Gründer Globetrotter Travel Service und André Lüthi, CEO Globetrotter Group. Somit ist Globoship älter als die Holding, was Urs Steiner, Leiter von Globoship, in seiner Begrüssungsrede mit „einem in der Reisebranche hohen Alter“ kommentierte. Die Globetrotter Group umfasst 14 Unternehmen, beschäftigt insgesamt 432 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2016 einen Umsatz von 265 Mio. Franken.

**) Federico Pfaffen hat Regie studiert und ist leidenschaftlicher Schauspieler. Er hatte 1995 die Idee zum schwimmenden Theater, die er dann 1997, also vor 20 Jahren umsetzte. Am Werkplatz in Tiefenbrunnen bei der Firma Stäubli legte er beim Bau selber Hand an. Seit 10 Jahren leitet er das Salon Theater Herzbaracke gemeinsam mit Nicole Gabathuler. Die Verdrängung der „Herzbaracke“ beträgt 85 t, der schwimmende Kulturpalast hat die Masse 21.8 m (l), 8.4 m (b) und 4.8 m (h ohne Türme) (Link)

 
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