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Artikel nach Datum gefiltert: Oktober 2018

Das Internationale Binnenschifffahrtstreffen ist eine jährliche Zusammenkunft der Schiffsbetriebe und anverwandten Institutionen und Firmen. Für den Heizer z.B. der CGN und den Direktor vom Chiemsee, für die Abteilungsleiterin vom Greifensee und die Matrosin vom Ägerisee ist der mehrtätige Anlass eine Gelegenheit, sich auszutauschen, sich weiter zu bilden, die Kameradschaft zu pflegen oder einfach den Saisonschluss zu feiern. Nach 1998 bereits zum zweiten Mal fand der Anlass in Frankreich statt: Besançon am Doubs war Ausgangspunkt einer ganztägigen Entdeckungsfahrt nach Villers-le-Lac am Lac de Chaillexon – bei den Schweizern besser bekannt als Lac des Brenets – zwischen Morteau im Département Doubs und dem neuenburgischen La Chaux de Fonds gelegen.

Die Seniorchefs der dortigen Schifffahrtsgesellschaft Vedettes Panoramiques - Saut du Doubs Excursions und Inhaber der Werft Chantier Naval Franco Suisse Raymond und Bernadette Michel sowie ihre Tochter Muriel und Sohn Antoine Michel hatten als Kleinunternehmen eine grosse „Kiste zu stemmen“ für die Organisation eines solchen Anlasses. Die meteorologischen Kapriolen machten die Durchführung nicht einfacher. Zum einen drückte der Regen und in der Nacht auf Sonntag gar der Schneefall auf die Stimmung, zum andern sorgten die extrem tiefen Wasserstände des Doubs für kurzfristige Umdisponierungen des Programms.

Den Lac de Chaillexon gibt es nach dem Dürresommer 2018 nicht mehr, auf dem Seegrund wächst bereits das erste Gras. Und der schiffbare Doubs, kurz vor dem Saut du Doubs, liegt 13 Meter unter dem Normalpegel... Dass die Familie Michel trotzdem eine Schifffahrt am Saut du Dous möglich machte, war auch für den Chef Raymond der Höhepunkt des IBT 2018: „Unsere schönste Erfahrung war die Durchführung der Bootsfahrt für alle Teilnehmenden. Am Samstag um 12 Uhr war wegen des Regens dies noch nicht sicher, angesichts der aussergewöhnlichen Situation unseres Flusses“. Denn die 170 Teilnehmenden mussten zuerst die 13 Meter Höhenunterschied von der Station zum Schiff via Treppen, Leitern und Hilfswegen hinunter kraxeln.

Auf dem Lac de Chaillexon (Lac des Brenets oder dem Doubs, je nach Betrachtungsweise) betreiben insgesamt drei Schifffahrtsgesellschaften mit neun Schiffen touristische Ausflugsfahrten ab Villers le Lac und ab Les Brenets. Nebst der Familie Michel mit den zwei Schiffen Venus und Sauconna hat die Familie Durig der 1962 gegründeten NLB auf der Schweizer Seite des Sees die drei Schiffe Géo, Jumbo und Echo im Einsatz. Der dritte Betrieb heisst Bateaux Saut du Doubs, Nachfolgerfirma der 1880 gegründeten Dampfschiffgesellschaft mit den Schiffen Odyssée, Cristal, Milan Royal und Emeraude. Heute ist die Familie Michel der Gastgeber, der seine Firma wie folgt vorstellt:

„Als Betreiber von Passagierschiffen über mehrere Generationen haben wir 1983 die Werft gegründet, zuerst für unsere eigenen Bedürfnisse, dann für andere Kunden. Seitdem haben wir 80* Schiffe (aus Stahl oder Aluminium) gebaut, die 40 bis 250 Passagiere transportieren können. Die Motoren laufen mit Diesel, Elektrizität, Elektro-Solar oder Hybrid. Einige werden vom französischen Bureau Véritas klassifiziert, die auf verschiedenen Gewässern, die auf Kanälen, Flüssen und Seen Frankreichs in Lyon, Nevers, Paris, Lille und Strasbourg navigieren**. Von Anfang an konnten wir auf unser kompetentes Personal zählen, das der Firma Autonomie und Unabhängigkeit verlieh und so Subunternehmer mied. Dies ermöglicht uns, unsere Preise, unsere Lieferfristen und unsere Garantien attraktiv zu gestalten."

Für Hans und Liselotte Gasser war das 63. IBT ein spezieller Anlass: sie waren zum 60. Male dabei. Nur gerade am ersten Anlass in Radolfszell 1956, später in Bad Ischl (Wolfgangsee, 1972) und Bregenz (Bodensee 1975) musste das schiffsbegeisterte Paar aus Biel fehlen. Diesen aussergewöhnlichen Rekord hat Hans seinem Vater Fritz Gasser zu verdanken, der auf dem Bielersee Chefkapitän war. Als Lokomotivführer der Grimselbahn, die für den Bau des Staudammes erbaut wurde, konnte er nach dem Bauende seine erworbenen Kenntnisse bei der „Bieler-Dampfschiffahrts-Gesellschaft“ einbringen. Fritz Gasser gehört auch zu den Gründern des IBT.

Hans Gasser, heute 85, erinnert sich: „Oft wurde ich nach der Schule für den letzten Kurs als Matrose eingesetzt“. Mit 16 nahm er dann die erste Saisonnierstelle an: als „Ländter“ bei der Station St. Petersinsel. „Damals hatten wir dort Tagesfrequenz von bis zu 2000 Personen.“ Jahre darauf kam der inzwischen gelernte Sanitär- und Bauspengler im Sommer regelmässig auch auf die Schiffe und dies 16 Jahre lang. Beruflich war er für den technischen Unterhalt des Spitals Biel verantwortlich („Von den Instrumenten im Operationssaal bis zur Kanalisation“). Ausserhalb widmeten sich Hans und Liselotte jede freie Minute dem Dampf. Während 20 Jahre waren sie als freiwillige Helfer bei der Furka-Dampfbahn im Einsatz und seit 14 Jahren nun beim Verein DS Neuchâtel. Von seinem Wohnsitz an der Tessenbergstrasse geniessen die beiden nicht nur einen herrlichen Blick auf den Bielersee sondern auch auf die Werft der BSG, die Hafeneinfahrt und auf ihr eigenes Schiff.

Mag sich Hans ein spezielles IBT erinnern? „Ja, 1966 in Innsbruck, als im Rahmenprogramm die Teilnehmenden in einem Bob die Rennbahn hinunter rodelten; das ist mir bis heute in lebhafter Erinnerung.“ Beide hoffen nun, dass sie das 67. IBT, das 2022 in Biel zum dritten Mal stattfindet, noch in guter Gesundheit sozusagen als „Heimspiel“ erleben dürfen.

Am diesjährigen IBT in Frankreich durfte als Abschluss am Sonntag eine Fahrt auf dem Doubs in Besançon nicht fehlen. Das Schiff Le Battant** befährt dabei eine grosse Schleife durch die Altstadt auf dem Doubs. Bei der engsten Stelle führt ein 400 m langer schiffbarer Tunnel*** unter den im Jahr 2008 zum UNSECO Weltkulturerbe ernannten Befestigungsanlagen. Dieser Tunnel wurde erbaut, um den Weg für die Güterschifffahrt abzukürzen. Um diese spannende und für viele unbekannte Gegend mit ihren Schifffahrten kennen zu lernen, organisiert die Schiffs-Agentur für Ende August 2020 eine dreitätige Reise. Sie wird uns auf die Juragewässer Lac des Brenets, den Doubs in Besançon, Lac de Saint Point und den Lac de Joux führen.

Bilder: Die Rundfahrt der „Sauconna“ führt auf der IBT-Rundfahrt grad noch 1,5 km weit; eindrücklich ragen die sonst unsichtbaren Felsformationen des Jura-Kalkes aus dem Wasser des Doubs. Der Lac de Chaillexon präsentiert sich am Ende des Sees wie eine Kraterlandschaft; die Teilnehmenden überwinden die 13 Meter Höhenunterschied zum Normalsteg über improvisierte Wege. Hans und Liselotte Gasser sind zum 60. Mal am IBT dabei. Raymond Michel beschliesst den Galaabend im Grand Kursaal (Bild Textteil) in Besançon die Binnenschiffer mit einer IBT-Torte. Am Sonntag verabschieden sich die Gastgeber mit einer Rundfahrt durch Besançon. Dabei fährt das Schiff Le Battant einen Rundkurs, der auch einen 400 m langen Schiffstunnel befährt. Im Hintergrund erkennt man das Tunnelende mit einer Schleuse; Farblichter erzeugen eine besondere Atmosphäre. Bild 6 M. Bisegger, Text und übrige Bilder H. Amstad

Bemerkungen: *) 1989 hat die Chantier Naval Franco Suisse das erste elektrische Passagierschiff in Frankreich gebaut. Dieses Schiff kann 60 Fahrgäste an Bord nehmen und funktioniert mit 2 Tonnen Bleibatterien. Das grösste elektrische Schiff wurde im Jahre 2000 für den Strassburger Hafen gebaut mit 150 Plätzen, 23 m Länge, 5 m Breite und 12 t Batterien. Im Jahre 2014 hat die Werft einen Elektrosolarkatamaran für den Jonage Canal in der Region Lyonnaise gebaut.

**) Eine Auswahl von 20 der 80 in Villers-le-Lac erbauten Schiffe: 1983 Savière 94 pax für den Lac de Bourget (Savoie) Elektro/Diesel / 1985 Sabaudia 100 pax für den Lac de Bourget (Savoie) Elektro/Diesel / 1989 Perle du Verdon 60 pax für den Lac d’Esparron (Alpes-de-Haute-Procenvce) Elektro / 1990 Canyon 60 pax für den Lac de St. Croix (Var) Elektro / 1991 Colibri 75 pax für den Genfersee (Haute Savoie) Elektro/Diesel / 1993 Suzel 150 pax für die Ill in Strassbourg (Bas-Rhin) Elektro/Diesel / 1997 Vénus 75 pax für den Lac de Chaillexon (Doubs) Solarstrom / 1997 Marcel Carné 250 pax für die Seine in Paris, Elektro/Diesel / 2000 Gustave Doré 150 pax für die Ill in Strassbourg (Bas-Rhin) Elektro / 2001 Ville d’Avignon 50 pax für die Rhône in Avignon (Vaucluse) Diesel-elektrisch / 2001 Marius 75 pax für den Canal de Colmar (Haut-Rhin) Elektro/Diesel / 2008 L’art du Temps 75 pax für die Anguison bei Corbigny (Nièvre) Splarantrieb / 2009 Sauconna siehe unten *** / 2010 Savoyard II 150 pax für den Lac de Bourget (Savoie) Elektro/Diesel / 2010 L’Orient 120 pax für den Lac de Forêt d’Orient (Aube) Diesel-elektrisch  / 2011 L’Olt 100 pax für den Lot (Fluss im Dep. Aveyron) Diesel-elektrisch / 2012 Navilys 150 pax in Lyon (Rhône) Elektro/Diesel / 2014 La Navette du Canal 75 pax für den Canal de Jonage (Rhône) Elektro/Solar / 2016 La Petit Saint Point 28 pax für den Lac de St. Point bei Pontarlier (dep. Doubs) Elektro/Solar / 2017 Navilys II 150 pax in Lyon (Rhône) Elektro/Diesel.

***) Technische Daten: Le Battant, 1985, Chantier Naval Franco Suisse, L 17 m, B 4,25 m – 100 pax – 2 x 150 PS Diesel Volvo AQAD31DP, 15km/h, Einsatz auf dem Doubs in Besancon

Sauconna, 1983 Chantier Naval Franco Suisse, L 21 m, B 25 m,  110 pax (70 mit Mahlzeit), 150 PS Diesel IVECO + 2 x 15 kW 48 V mit 3 t Batterien und 15 m² Solarzellen, Einsatz auf dem Doubs in Villers le Lac

Weitere im Text und Bild: 62. IBT (Link), 61. IBT 2016 Link, 60. IBT 2015 Link, 59. IBT 2014 Link, 58. IBT 2013 Link, 57. IBT  2012 Link.

Die Tunnel mit Kursschifffahrt: Link

 
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Das lässt jedes Herz eines Dampfschiff-Fans höher schlagen! Weltweit einzigartig fahren auf dem Genfersee auch im Oktober während 14 Tagen täglich drei Dampfschiffe und ein dieselelektrisches Radschiff. Auch im 2019 wird dies wieder möglich sein, wie mir die CGN mitteilt. Drei Radschiffe sind jeweils im Kursverkehr eingeteilt. Ein weiteres kommt noch dazu, wenn eines der grossen Motorschiffe, die für den werktäglichen Grenzgängerverkehr eingesetzt sind, in der jährlichen Revision steht. Nahezu 2 000 Grenzgänger benützen am Morgen früh allein von Evian aus den Seeweg nach Lausanne, um in der Schweiz der Arbeit nachzugehen. Dazu steht in diesem Jahr die „Simplon“ im Einsatz. Mit der vierten Querfahrt beginnt so mein „Vierdampfertag“.

Von der Deutschschweiz aus gut erreichbar* besteige ich am Steg 1 den Kurs, der Lausanne um 9.25 Uhr nach Evian verlässt. Da herrscht in Ouchy am heutigen Morgen, den 10.10.2018, reges Treiben: MS Lausanne fährt zum Landungssteg 5, um gleichzeitig mit unserer Ausfahrt eine Extrafahrt zu starten. MS Ville de Genève erreicht Lausanne mit Grenzgängern aus Thonon am Steg 2. Das Schnellboot Genève (es gibt auf dem Léman zwei Schiffe mit dem Namen der Kalvinstadt) startet 10 Minuten vorher vom Steg 4 nach Thonon, nachdem dieses Schiff die „Simplon“ supplementiert hat. MS Henri Dunant steht an Steg 3 nach einem morgendlichen Grosseinsatz bereit, die „Simplon“ anschliessend abzulösen. In Lausanne fühlt man sich in jeder Jahreszeit am Morgen und Abend „en miniature“ wie in Genua oder Hamburg. Heute vermischen sich Nebelschwaden mit durchdringender Morgensonne, für mich somit auch meteorologisch ein schönes Morgenerlebnis.

Für den Pendlerverkehr sind wegen dem immensen Passagieraufkommen nur die grössten CGN-Schiffe geeignet. Dabei wird MS Lausanne (1 200 Personen Fassungsvermögen) nicht eingesetzt, da es bei starker Bise mit seiner grossen Seitenfläche für die enge Hafeneinfahrt in Evian ungeeignet ist. Das ebenfalls in Frage kommende Schiff La Suisse ist im Herbst noch im Kurs eingesetzt und das dritte 70-Meterschiff der CGN, die „Helvétie“ wartet auf eine Totalrenovation, die für die Jahre 2026 bis 2030 vorgesehen ist**. Neue Schiffe für den Grenzverkehr sind auf das Jahr 2021 geplant.

Nach der Rückkehr der „Simplon“ in Lausanne bleibt schön Zeit, einen Spaziergang in die Werft zu unternehmen, wo nebst der erwähnten „Helvétie“ auch die „Rhône“ an der „Revisionsmole“ abgestellt liegt. Das Interesse der Schiffs- und Dampferfreunde ist in diesen Tagen besonders auf das jüngste aller Schweizer Dampfschiffe gerichtet. Demnächst soll nämlich das Kantonsparlament des Kantons Waadt für die „Rhône“ einen Kredit von 7,6 Millionen Franken sprechen, nachdem bereits der Kanton Genf rund 4,2 Millionen bewilligt hat. Der dritte Hauptaktionär, der Kanton Wallis, nimmt zwei Tranchen von je CHF 500 000 in das Kantonsbudget 2019 und 2020 auf. „Die ABVL wird weitere 3 Millionen beisteuern müssen,“ erklärt ABVL-Präsident Maurice Decoppet (Association des amis des bateaux à vapeur du Léman). Insgesamt beträgt der Aufwand 15,8 Millionen***, wobei allein die Mehrwertsteuer 1,1 Millionen verschlingt... Wird das Waadtländer Parlament den Kredit sprechen, können mit den Arbeiten im April 2019 begonnen werden. Die Wiederinbetriebnahme ist auf Ende März 2021 geplant.

Um 11.40 Uhr besteige ich das für heute bereits zweite „Grossraum“-Dampfschiff der CGN, die 2009 vollständig renovierte „La Suisse“. Der Ruf, dass die „La Suisse“ als schönstes Dampfschiff bezeichnet wird, kommt aus dem Jahr 1908, wo die CGN den Auftrag an die Firma der Gebrüder Sulzer in Winterthur erteilte, „den grössten und schönsten Dampfer in Europa zu bauen“. In der Tat: nicht nur das äussere Erscheinungsbild mag zu überzeugen. Es ist auch ein wahres Vergnügen, den Salon sowohl der 2. wie der 1. Klasse zu betreten. Grosszügigkeit und eine durch und durch stimmige Raumarchitektur bezüglich Proportionen, Farbgebung und Möblierung zeichnen den bald 120-jährigen 1.-Klasssalon aus. Auf der Rückfahrt des Kurspaares 920-921 steige ich nach zwei Stunden Fahrt in Vevey La Tour aus, wo ein schlanker Anschluss besteht auf das Radmotorschiff Italie.

Auf diesem dritten Schiff von heute erfahre ich, dass dieses direkt nach Saisonschluss bis Weihnachten nach zwei Jahren Einsatz in die Werfthalle kommt, um grössere Arbeiten auszuführen. Einzig am 25. und 30. Dezember 2018 sind beide Radmotorschiffe im öffentlichen Einsatz. Denn gleich anschliessend kommt die „Vevey“ in die Halle für einen überraschenden Eingriff, nämlich für einen Ersatz der Elektromotoren. Maurice Decoppet: „Die Luftkühlung der bisherigen Aggregate mit den starken Ventilatoren ist bekanntlich laut, was viele Passagiere stört und zu Reklamationen führt. Ausserdem sind die Elektromotoren der ‚Vevey’ mit 500 kW schwächer als diejenigen der ‚Italie’ mit 540 kW.“ Nun wurde beschlossen, bei der “Vevey” die luftgekühlten durch wassergekühlte und stärkere Elektromotoren zu ersetzen. Decoppet: „Führt dies zu einem Erfolg, so könnte später auch die ‚Italie’ auf wassergekühlte Motoren umgerüstet werden.“

Deshalb steht für den Winterfahrplan 2018/19 (mit Ausnahme der zwei erwähnten Tage) leider kein Radschiff ab Lausanne zur Verfügung. Das zweite dieselelektrische Radschiff wird – abwechslungsweise zuerst die „Vevey“, dann die „Italie“ – ab Genf eingesetzt. Warum nicht ab Lausanne? Für Maurice Decoppet gibt es dazu Gründe: „MS Henry-Dunant muss in Lausanne zusätzlich zum MS Général-Guisan für Grenzgängerkurse einsetzbar sein, sollten unerwartet und kurzfristig MS Léman oder MS Ville-de-Genève ausfallen. Man will im Winter keine zusätzlichen Radschiffe einsetzen, dies im Gegensatz im Herbst oder Frühling.“

In Vevey bringt mich nun die SBB nach Nyon, wo der vierte „Dampfer“ des Tages von Genf her an der Station anlegt. DS Savoie verlässt Nyon um Viertel nach vier und fährt via Yvoire in zwei Stunden nach Genf zurück. Im Gegensatz zum vorzüglichen Service auf den beiden vorangehenden Schiffen gibt es hier auf der „Savoie“ gar nichts zu essen. Kellner sind zwar durchaus vorhanden, aber weder ein Käseplättchen noch ein Sandwich ist sich der Sternegastronom Philippe Chevrier (2001 Koch des Jahres nach Gault Millau) würdig, auf die Speisekarte des Dampfers zu nehmen; wahrlich eine schlechte Reklame für ihn wie für die CGN. Gute Stimmung hingegen verbreitet sich beim Gedanken, im kommenden Oktober 2019 solche oder ähnliche Erlebnisse wie heute zu wiederholen. Dann, wenn wieder ein „Grossraum“-Dampfschiff zusätzlich zum normalen Herbstangebot dazu stösst.

Bilder: DS Simplon in Evian und im Herbstlicht. Auch um den Maschinenraum herum nehmen viele der bis zu 500 Grenzgänger auf der Fahrt zum Arbeitsort Schweiz Platz. MS Lausanne im Wechselspiel der Morgensonne und Dampfschwaden der „Simplon“. An DS Rhône wird im kommenden Jahr gearbeitet: der Start der Totalsanierung ist für den April 2019 vorgesehen. Die elegante „La Suisse“ verlässt Vevey, wo bald darauf die „Italie“ erwartet wird. DS Savoie kommt in Nyon an. Text und Bilder H. Amstad

Weiter im Text: Link

Bemerkungen: *) Eine genussreiche Variante bietet ein Zweitagesaufenthalt mit Übernachtung in Evian, zum Breispiel in einem Seezimmer des Hotels Alize (ca. EUR 100 das EZ). Mit freier Sicht auf den CGN-Hafen kann man so morgens um 7 Uhr beobachten, wie sich das Dampfschiff innert 10 Minuten mit 500 Leuten füllt…

**) Maurice Decoppet, Verwaltungsratspräsident der CGN-Filiale Belle Epoque, zur SA: „Der Zeitpunkt der Totalrenovation ist noch offen. Ideal wäre, wenn wir 2026 zum ‘Hundersten’ starten könnten. Vorher wollen wir aber noch DS Rhône noch DS Simplon einer letzten und wichtigsten Teilrenovation unterziehen.“

***) Zum Vergleich: Die Renovation des zweitjüngsten Raddampfers der Schweiz, jene der „Stadt Luzern“ auf dem Vierwaldstättersee, kostet rund CHF 12,5 Millionen und findet in Luzern in der gleichen Zeit statt. Die Inbetriebnahme ist für den April 2021 geplant.

 
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Ein Blick auf mein Bücherregal zeigt mir, dass es auch in Deutschland bekannte Publizisten auf dem Gebiet der Binnenschifffahrt gibt. Mir fallen dabei die zahlreichen und fachlich hervorragenden Hefte von Heinz Trost (1934-2010) aus Wiedensahl auf oder die zu eigentlichen Nachschlagewerke gewordenen Bücher von Dieter Schubert aus Berlin (*1939, erst kürzlich am 8.12.2017 verstorben). Mit beiden durfte ich zahlreiche Fachgespräche führen und ich behalte sie als grosse Kenner der Schifffahrt in Erinnerung. Auch Benedikt von Hebenstreit aus München hat unermüdlich geforscht, recherchiert und publiziert. Er tut es heute noch, obwohl ihn sein Alter und die damit einhergehenden Gebresten zwingen, die Arbeit etwas geruhsamer anzugehen. Aber halt: Benedikt von Hebenstreit ist Österreicher, geboren in Ried aus dem Inn-Viertel, südlich von Passau.

Dass er nicht als Österreicher wahrgenommen wird hängt damit zusammen, dass man in seinen Publikationen stets die Adressen von München und Zürich vorfindet. Nach den Ausbildungen kam Benedikt von Hebenstreit bereits 1953 als Assistent an die Universität München, wo er dann ab 1968 beim TÜV Bayern als Verkehrspsychologe eine Stelle antrat. Später wurde er dort 1985 (bis 1992) Geschäftsführer der TÜV-Akademie. Ab 1972 war er ausserdem am IAP (Institut für Angewandte Psychologie) Zürich in Forschung und Lehre als Freelancer tätig. „So pendelte ich beruflich zwischen Zürich und München, was für mich spannend und gegenseitig befruchtend war.“ Zusammengefasst: in Zürich geforscht und gelehrt, in München angewendet und in die Praxis umgesetzt.

Nach seinem beruflichen Highlight, auf das er besonders stolz sei, gefragt, überlegt er lange und meint: „Alles ist gleichwertig“. Gleich darauf präzisiert er: „Die schulische Verkehrssinnbildung in Bayern konnte ich prägen und nachhaltig entwickeln, wo sie heute steht. Bayern ist in Deutschland das einzige Bundesland, wo gescheite Verkehrserziehung gemacht wird. Auch in der Schweiz hatte ich mit der Perfektionierung der Verkehrssinnbildung schöne Erfolge, die sich heute überall durchgesetzt hat.“ Zahlreiche Veröffentlichungen zu Fragen der Verkehrserziehung und Arbeitssicherheit, von Unterrichtshilfen für die KITA-Stufe bis zu Standard-Werken zur Ausbildung von Fahrlehrern, sind aus seiner „Feder“ entstanden. „Alles, was ich gemacht habe, hat Spass gemacht. Ich bin in all den Jahrzehnten weiter gekommen, das war schön,“ stellt er mit einem Lachen im Gesicht fest.

„Am Anfang meines Lebens herrschte Elend im Land; ich war in der 7. Klasse, als sie uns in den Krieg schickten. Nach der Kapitulation 1945 durfte ich in Salzburg die 8. Kasse besuchen. Dann wollte ich Ingenieur werden. Wir wohnten aber im amerikanischen Besatzungsgebiet, in Linz gab es an der Universität nur die Fächer Philosophie und Pädagogik.“ Nach zwei Studien mit zwei Promotionen in Philosophie (Nebenfach Pädagogik) sowie Psychologie (Nebenfach Psychiatrie und Neurologie) landete er später doch noch bei der Technik. Dank seiner Kombination von Geistes- und Technikwissenschaften, die er sich aus Interesse selbst angeeignet hatte, war er ab 1955, im Zeitalter des boomenden Motorfahrzeugverkehrs, ein gefragter Mann. Und seine Herzensangelegenheit Schifffahrt, wie kam das dazu?

„Meine Eltern und Grosseltern konnten 1927 in Attersee, 150 Meter von der Schiffstation entfernt, ein Haus bauen. Seit ich mich erinnern kann machten wir dort Urlaub.“ Als die Russen 1945 in Linz einmarschierten, wurden diese Aufenthalte länger, Benedikt war damals gerade mal 17 Jahre alt. „Hinter dem Haus war der Bahnhof, dort konnte ich bei der Bahn von Stern & Haffrl als Rangierer aushelfen, in den Sommermonaten als Matrose auf den Schiffen.“ Um vier Uhr morgens fuhr das erste Boot los und sammelte rund um den See die Arbeiter ein, um sie zur grossen Zellwollfabrik in Lenzing und zu anderen kleinen Betrieben in der Bezirkshauptstadt Vöcklabruch zu bringen. „Der Oberbahnrat von Stern & Hafferl war ein guter Freund meines Vaters – dies hat mir Tür und Tor geöffnet auch zu andern Schifffahrtsgesellschaften.“ Die Faszination Schiff liess von Hebenstreit nicht mehr los – im Gegenteil. „Ich kenne jeden Schiffsbetreiber in Österreich. Für die Recherche ging ich Sommer für Sommer bei jedem Betrieb mindestens ein Mal vorbei.“ Seit 90 Jahren verbrachte er ununterbrochen seinen Urlaub am Attersee. „Kann sein, dass es heuer das letzte Mal war“, meint er wehmütig aber auch dankbar in Anbetracht seiner eingeschränkten Mobilität.

Dank dieser Aufenthalte am Attersee war es ihm möglich, die Geschichte sämtlicher Schiffsbetriebe von Österreich zu recherchieren und auf 620 Seiten in Bild, Text und Tabellen (mit den technischen Angaben aller Schiffe) festzuhalten, zu dokumentieren und zu veröffentlichen: „681 Schiffe sind beschrieben, davon 496 in Bildern festgehalten.“ Später kam die gleiche, akribische Arbeit den Gewässern Bayerns zugute. „Die Schifffahrt Bayerns war dem TÜV in München unterstellt.“ Damit wird klar, wie auch diese „Monsterrecherche“ zu Stande kam. „Hier sind in gleicher Weise 439 Schiffe auf 20 bayerischen Seen und Flüssen beschrieben, davon 311 mit Bild.“ Die andere Leidenschaft, jene für die Eisenbahn, pflegte von Hebenstreit stundenlang bei seiner Eisenbahnanlage, Spur HO, auszuleben. Über 1 000 Fahrzeuge zählt er sein Eigen. „Von den Lokomotiven der OeBB habe ich seit Beginn bis 2006 sämtliche in meiner Sammlung.

Nebst Familie, Arbeit, Modelleisenbahn und Schiff ist wohl keine Zeit mehr für weitere Hobbies vorhanden gewesen, frage ich von Hebenstreit. „Doch, doch: Sport war mir immer sehr wichtig. Mit zwei stand ich auf den Skiern, mit sechs fuhr ich die erste Segelregatta. Auch Tennis hat mir viel Spass gemacht und Turnier-Tanz. Hier brachten wir es auf den 10. Platz in der Deutschen Meisterschaft.“ Noch heute ist ihm Bewegung wichtig: jeden Tag 30 Minuten auf dem Hometrainer Radfahren gehört zu seinem Ritual wie der Gang mit dem Rollator zum Einkaufen im Quartierladen. Heute am 12. Oktober feiert er seinen 90. Geburtstag, wozu ich ihm herzlich gratuliere. Zusammen mit seiner ehemaligen Frau Ingrid in Zürich, seiner Tochter Barbara in Berlin und dem Sohn Andreas Benedikt in München wünschen wir noch viele unbeschwerte Stunden.

Bilder: Bildmaterial aus seinem Leben ­– auf seiner Visitenkarte steht Prof. Dr. Dr. Benedikt von Hebenstreit – gibt es sehr wenig; selbst Nachfragen bei Ingrid von Hebenstreit-Wichert führen nicht zum Erfolg. „Ein Familienalbum existiert nicht“, entschuldigt sich der Jubilar. Im Hintergrund des Portraits erkennt man die Strassenbahnen von Wien im Modell. Ein solches Bild mit Attersee-Landschaft und einem Elektroboot prägt die Erinnerung von Hebenstreit von Kindsbeinen an. „MS Burgau vom Attersee  war eines der beiden Elektroboote, auf denen ich seinerzeit als Matrose um 4 Uhr früh tätig war.“ Auf MS Helene vom Mondsee war Benedikt von Hebenstreit bis zur Ausserdienstellung des Schiffes immer wieder mitgefahren und hat den reizvollen See genossen.

„Auf der letzten Fahrt von MS Innsbruck (Achensee) 1994 vor der Ausserdienststellung bin ich mitgefahren. Wir alle hofften, dass die Tiroler Landesregierung das Schiff als wertvolles Kulturgut retten würde, aber dann liess man es verfallen.“ Mit dem DS Elisabeth auf dem Traunsee war von Hebenstreit ebenfalls unterwegs, so auch mit dem Schraubendampfer Thalia auf dem Wörthersee. Bild im Text: Pressekonferenz der Aktion "Sicher zur Schule – sicher nach Hause“ im Polizeipräsidium München im September 2016. Text, Bild 1 und Sammlung übrige Bilder H. Amstad

 
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