plus minus gleich
Artikel nach Datum gefiltert: März 2018

Am Karfreitag gab es auf dem Zürichsee gar Sonderliches zu erleben. Saisonanfang und erste Dampferfahrt liefen noch unter „courant normal“. Doch DS Stadt Zürich hatte eine besondere Besatzung: Kapitän Ernst Bosshard feierte auf der Fahrt seine Pension. Er liess es sich nicht nehmen, an den Stationen und bei Schiffskreuzungen herzhaft zu hornen, was jedes Mal mit Applaus quittiert wurde*. Und noch etwas passierte: sozusagen „über Nacht“ wurde der Schiffszuschlag auf dem Zürichsee abgeschafft. Manch einer fragte sich nach einem verfrühten 1. Aprilscherz, so unvermittelt und überraschend kam dieser Entscheid, nachdem noch wenige Tage zuvor der Regierungsrat den Schiffsfünflieber verteidigte. Ernst Bosshard gab bei seiner Begrüssungsansprache nach Abfahrt am Mythenquai in Zürich seiner Freude Ausdruck: „Die Abschaffung des Schiffs-Fünflibers ist das grösste Abschiedsgeschenk, das mir die Politik machen konnte.“

Damit ist der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) resp. der Regierungsrat des Kantons Zürich in guter Gesellschaft mit anderen Schifffahrtgesellschaften, die mit pauschalen Zuschlägen gescheitert sind. Auf dem Thuner- und Genfersee gab es früher den Dampfschiffzuschlag, in Dresden einen Motorschiffzuschlag und in jüngster Zeit in Zürich diesen generellen Schiffszuschlag. Alle diese Aktionen sind heute wieder verschwunden, da der Kunde solche Pauschalen als ungerecht empfindet: Abonnenten und Passagiere auf kurzen Strecken werden mit solchen Zuschlägen bestraft.**

Der Schiffszuschlag auf dem Zürichsee war seit der Einführung am 11. Dezember 2016 immer wieder in den Medien und in Leserbriefen, beim Ombudsmann, im Zürcher Kantonsparlament, bei einem aufsichtsrechtlichen Gesuch des St. Galler Kantonsrates beim Bundesamt für Verkehr, bei Anwälten und Gerichten ein Thema. Die Einführung des ZSG-Schiffszuschlags oblag immer schon in der Kompetenz des Zürcher Regierungsrates, um mit den zusätzlichen Einnahmen von 2.5 Millionen Franken die Sanierung des Finanzhaushaltes zu unterstützen.

Gleichzeitig gingen 2017 die Fahrgastzahlen um 30 % zurück. Die Leistungen der ZSG waren wegen des Zuschlags für Bern nicht mehr abgeltungsberechtigt***. Der Schiffswirt musste Leute entlassen. Eine tiefere Ausschüttung aus dem GA-Topf ist in Aussicht gestanden. Auf dem Zuger- und Vierwaldstättersee waren augenfällig mehr Zürcher und Zürcherinnen anzutreffen. Der Jurist Beat Zumstein: „Ebenfalls bedenklich ist der wenig an Grundsätzen orientierte oder mehr auf politische Opportunitäten ausgerichtete Umgang mit dem direkten Verkehr, der ein zentraler Bestandteil des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz ist“. Themen wie Macht und Gesichtsverlust verdrängten immer mehr eine sachliche Auseinandersetzung.

Nachdem das Zürcher Parlament entsprechende Postulate und Motionen jeweils ablehnte, blieb nur noch der Weg über die Volksinitiative. „Zürich stimmt über 5 Franken ab“, war in den Schlagzeilen zu lesen. Die Drohung zeigte nun Wirkung und die Parlamentswahlen stehen in genau einem Jahr auch noch in der Agenda. Am Donnerstag, 29. März 2018 war die Überraschung perfekt – laut Medienberichten wusste weder der Verwaltungsratspräsident der ZSG noch die ZSG-Führung vorher etwas von diesem Coup: seit dem 30. März 2018 ist der Zuschlag weg. Die Begründung: Per 1. Januar 2018 wurde die Mehrwertsteuer um 0,3% gesenkt. Für den ZVV war eine Senkung der Billettpreise für das gesamte Sortiment nicht umsetzbar. Der damit zu erwartende Mehrertrag von 2,5 Mio Franken will man nun der Bevölkerung wieder zurück geben...

Ich komme auch zurück, nämlich zu Ernst Bosshards Abschieds-Fahrt. Unter den über 300 Gratulanten entdeckte ich auch Berufskollegen von Ernst von andern Gewässern. So Georg Ritter von der SGV: „Ich lernte Ernst vor allem an Aus- und Weiterbildungen kennen. Denn die Vorbereitungen für die theoretische Prüfung des BAV werden in Zürich durchgeführt. Ernst hat dazumal den Lead übernommen und die Ausbildungen koordiniert und dabei viel Hintergrundarbeit geleistet, die Ordner für die Prüflinge zusammengestellt, Probe-Prüfungen geschrieben und vieles mehr. Ich habe ihn als stillen Schaffer schätzen gelernt. Sein Wissen und seine Erfahrung waren sehr gefragt. Auf dem Schiff war Ernst im positiven Sinne der Patron. Er ist sehr beliebt, weil er kommunikativ ist und sein ruhiges Wesen hat etwas Beruhigendes. Er ist ein sehr guter Nautiker.“

Ernst Bosshard hat 38 Jahre und 2 Monate, wovon gut 20 Jahre in der mechanischen Werkstätte, bei der ZSG gearbeitet. Vor der ZSG war er in der Maschinenfabrik Rüti als Textilmaschinenmonteur  (Bereich Weberei) tätig. Bosshard: „Obwohl ich mit der Schifffahrt nichts am Hut hatte wollte ich ursprünglich eine Lehre als Rheinmatrose beginnen. Das wurde mir aber aus verschiedenen Gründen ausgeschwatzt. Etwas hatte ich aber doch in mir: Meine Mutter erzählte mir, schon im Kindergarten hätte ich immer Schiffe gezeichnet und gemalt. Im Tages-Anzeiger war dann eine Stelle ausgeschrieben: ‚Im Sommer auf den Schiffen – im Winter an den Schiffen’. Ich dachte nicht, dass ich als Webstübler den Job bekommen werde, doch es klappte.“ Ernst feierte seinen 65. am 1. März 2018. Somit ist er nur wenige Stunden jünger als ich.

Ein anderes bekanntes Gesicht an Bord der „Stadt Zürich“ war Lukas Reimann, vormals BSG und Leiter Betrieb der URh. Er erinnert sich: „2003 gründeten die ZSG, URh, FHM, SGG und SBS die ‚Ausbildungsgemeinschaft Oberrieden’.**** Als Gründungsmitglied und Referent lernte ich Ernst Bosshard bald als sehr kompetenten Fachmann kennen. Er beherrschte es, den angehenden Schiffsführern die häufig sehr trockene Materie verständlich und anhand praktischer Beispiele zu vermitteln. Ich tauschte mich mit Ernst in der Folge auch während des Jahres in fachlicher Hinsicht aus. Es entstand eine Freundschaft ausserhalb der Schifffahrt, die auch seine Frau Susi miteinschliesst. Es ist für mich immer eine grosse Freude, die Beiden zu treffen und mich mit ihnen auszutauschen.“

An Bord der „Stadt Zürich“ unterstützte Michael Schäfer als zweiter Kapitän den Jubilar, damit Ernst ab und zu auch beim „Fussvolk“ sein konnte. Michi Schäfer, ursprünglich aus Zug (und in den Neunzigerjahren ein damaliger Schüler von mir): „Es freute mich, dass ich Ernst zum Abschied begleiten durfte. Als Chefkapitän war er auch Prüfungsexperte – ich war sein letzter ‚Prüfling’. Er war ein gradliniger Kapitän und ging stets konstruktiv und kollegial mit den Arbeitskollegen um. Der allgemeine gesellschaftliche Wandel in letzter Zeit hat ihm zunehmend zugesetzt, der Schiffsfünflieber und die Horndebatte gingen ihm nahe...“

Bilder: Die „Stadt Zürich“ startete am Karfreitag ohne Schiffsfünflieber in die Saison 2018. Das Medieninteresse auf der „Pensionsfahrt“ von Ernst Bosshard war enorm. Der strahlende Kapitän mit seiner Frau Susi Bosshard. Ernst Bieri gratuliert seinem Namensvetter und schreibt wie Hundert andere die besten Wünsche ins Gratulationsbuch. Ernst Bosshard darf vielen Gästen zuwinken und dabei herzhaft hornen – ein auf dem Zürichsee leider seltenen gewordenen Ritual. Seepolizei, Rettungsdienste und Osterhasen überbringen die Glückswünsche. Die Plakate hängen noch, sind jedoch Geschichte: der Schiffszuschlag fällt ab sofort weg. Bilder 2, 5 bis 7 M. Fröhlich, Text und übrige Bilder H. Amstad

Bemerkungen: *) Auf dem Zürichsee wird seit einem Jahr die Binnenschifffahrt Verordnung (BSV) eng ausgelegt. Somit ist das traditionelle Zu- und Abhornen der Kursschiffe an Stationen richterlich nicht mehr erlaubt.

**) Ab 1963 kamen auf der Elbe die 1000-Personen fassenden Motorschiffe Friedrich Engels, Ernst Thälmann, Karl Max und Wilhelm Pieck in Betrieb. Im Volksmund nannten die Dresdner diese Schiffe kurz „Luxer“ und man musste einen „Luxuszuschlag“ bei Mitfahren eines solchen Motorschiffes bezahlen, während die herrlichen Raddampfer einen solchen Zuschlag nicht kannten. Der Genfersee erfand wenig später den Dampfschiffzuschlag. Von 1992 bis 1997 belegte die BLS das Thunersee-Dampfschiff Blümlisalp ebenfalls mit einem Dampfzuschlag. Seit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2016 mussten schliesslich die Passagiere für jede Fahrt auf den Kursschiffen der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft zusätzlich zum Fahrausweis fünf Franken „Strafe“ bezahlen.

***) Am 13.12.2016 antwortete das Bundesamt für Verkehr an Kantonsrat Chandiramani: „ ... Die Erhebung des Zuschlags verstösst jedoch gegen eine vom Bund gestellte Bedingung für Abgeltungen im regionalen Personenverkehr. Das BAV hat daher dem ZVV bereits mit Schreiben vom 3. August 2016 mitgeteilt, dass die ZSG-Leistungen bei Einführung des Seezuschlags ab dem Fahrplanjahr 2017 vom Bund nicht mehr mitbestellt würden und die am 22. März 2016 abgeschlossene ZSG-Abgeltungsvereinbarung ihre Gültigkeit verliere. Im regionalen Personenverkehr duldet das BAV grundsätzlich keine Zuschläge. Eine Ausnahme bilden die Nachtzuschläge sowie die Zuschläge beim PubliCar.“

Der Jurist Dr. Beat Zumstein fand eine Liste von abgeltungsberechtigten Linien auf dem Stand von 2017, in der die ZSG nicht mehr enthalten ist. Die Liste führt folgende Seen bzw. Verbindungen auf: CGN, 3150: Lausanne – Evian-les-Bains; Lausanne – Thonon-les-Bains; Nyon – Yvoire / SGV, 3600: Luzern – Brunnen (– Flüelen) / SNL, 62.439: (Lugano –) Melide – Campione d'Italia und  62.490: Lugano – Gandria. Zumstein: „Wenn es anderen Kantonen einfällt, aus fiskalischen Gründen ein konzessioniertes Verkehrsunternehmen zur Erhebung eines Zuschlags zu veranlassen, so funktioniert der direkte Verkehr am Ende nicht mehr, weil die Fahrgäste laufend mit Zuschlägen konfrontiert werden. Am Beispiel der ZSG zeigt sich zudem, dass diese Möglichkeit nur für den Kanton besteht, der faktisch den entsprechenden Einfluss auf das Unternehmen ausüben kann.“

****) Lukas Reimann: „2003 wurde die Theorieprüfung für angehende Schiffsführer durch das BAV neu strukturiert. Für Kandidaten wurde es zunehmend schwierig, alles im Selbststudium erlernen zu können. Deshalb schlossen wir uns zu dieser Ausbildungsgruppe zusammen und boten in den Räumlichkeiten der Seepolizei in Oberrieden (daher der Name Ausbildungsgemeinschaft Oberrieden) erstmals gemeinsame Kurse an. Auch die erste BAV-Theorieprüfung fand in Oberrieden statt. Seit etwa 2005 finden diese Kurse (und auch die Prüfungen) in den Räumlichkeiten der ZSG in der Werft Wollishofen statt. In der Folge kamen weitere Schifffahrtsgesellschaften wie SBW, SGH und SGV hinzu, sodass wir uns „Ausbildungsgemeinschaft Fahrgastschifffahrt (AGF)“ nannten. Daraus wurde ab etwa 2014 ein VSSU-Angebot, das allen Schifffahrtsgesellschaften offen steht. Auch die Zahl der Teilnehmenden wuchs ständig. Waren es in den ersten Jahren sechs oder acht Kandidaten und Kandidatinnen, sind es mittlerweile meist 20 und mehr.“

 
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Die Rundreise von Lugano nach Como, dann mit dem Schiff über den Comersee nach Menaggio, per Bus nach Porlezza und anschliessend mit dem Schiff zurück nach Lugano gehört zu den Klassikern, die – vergleichbar mit einer abwechslungsreichen Schulreise – viele Erlebnisse und landschaftliche Reize bietet. Bis vor wenigen Jahrzehnten ist diese Rundreise auch Bestandteil des Luganersee-Fahrplanes gewesen. Während sich im Inland Tarifstrukturen und Billettwesen vereinfachen, sind gleichzeitig die bürokratischen Hürden im Grenzverkehr mindestens im Süden der Schweiz gestiegen. So war es für die Schiffs-Agentur, die die Reise organisierte, eine besondere Herausforderung, die schliesslich sechs verschiedenen Gruppenfahrausweise zu besorgen. Auch die Schiffseinsätze waren eine Lotterie, bei welcher nicht der Kunde sondern betriebliche Abläufe Könige sind...

Für die meisten der Reiseteilnehmenden waren solche Ungereimtheiten kein Hindernis, die atemberaubend schöne Gegend zu geniessen. Als ich nach der Reise einige Hintergrundinformationen für diesen Blog-Bericht recherchieren wollte, kam das nächste Schmunzeln. Krampfhaft suchte ich im Internet nach dem Schiff Cione (siehe Bild 1), appellierte an Nautico-Kenner und lancierte Mails in Richtung Italien. Auch sie waren etwas ratlos. Des Rätsels Lösung fand ich dann im Buch von Francesco Ogliari, wo das Schiff Alcione beschrieben ist. Ein übermalter Rostschaden führt nun zum neuen Namen Cione, ohne A und L...

Die „Rennleitung“ der Navigazione Lago di Como schickte zu unserer Freude für uns das älteste und urtümlichste Motoscafo* auf den von uns benutzten Schiffskurs um 11.45 Uhr. Dieses Schiff ist mit Jahrgang 1950 nebst der „Concordia“ (1926) und „Milano“ (1904) die drittälteste Einheit der Flotte. Trotz der „Ladung“ von 105 Personen an Bord war es ein spezielles Erlebnis, mit „Garacho“ (Schweizer Deutsch, span. Carajo, grosses Tempo) über den See zu gleiten. Von dieser einst fünf Einheiten umfassenden Schiffsklasse sind zur Zeit ausser der „Alcione“ noch die „Rondine“ (sie gibt dieser Schiffsklasse den Namen) und die „Falco“ im Einsatz. Es ist ein besonderes Erlebnis, vorne in der offenen Schiffsschale zu sitzen, so nah am Wasser, den Fahrwind und das Spritzwasser im Gesicht.

Nach dem Umstieg in Moltrasio auf die modernste (aber nicht unbedingt schönste) Einheit der NLC-Flotte, die „Orione“ mit drei Decks und 700 Personen Fassungsvermögen, werden wir im Salon freundlich und speditiv kulinarisch bedient. Der einfache Dreigänger schmeckt köstlich – die neue Wirtegeneration unter Linda Vitali, der ältesten Tochter des Seniorchefs Renato Vitali, bringt viel Flexibilität und Kundenfreundlichkeit an den Tag. Das Familienunternehmen heisst „styl GmbH“ und führt an mehreren Orten in Oberitalien Gastrobetriebe, so auch eine Kantine in der Werft Como Tavernola fürs NLC-Personal. Styl war eine kurze Zeit auch für die Restauration der auf dem Luganersee-Schiffe verantwortlich. Renato Vitali hatte sogar ein Büro in den Räumen der SNL. Auch auf dem Lago Maggiore betreibt die Familie Vitali den Gastrobetrieb. Spannend ist auch, dass viele, vorab ältere Schifffahrts-Mitarbeitende früherer bei Vitali’s gearbeitet haben bzw. teilweise in Doppelfunktion heute noch tätig sind. Nautischer Italo-Kenner Mario Gavazzi: „Die Vitali’s stellen sich regelmässig neuen Herausforderungen. Was den Lago di Como betrifft, so erfreut sich die Navigazione steigender Frequenzen, was sich auch auf die Gastronomie auswirkt. Linda Vitali hat einen neuen Schwung ins Geschäft gebracht; mehrere Mitglieder der Familie arbeiten mit.“

Toll auch die Einladung des Kapitäns Roberto Porro, das Steuerhaus zu besichtigen. Es ist der schönste Raum auf diesem Schiff. Porro ist Schiffsführer in der dritten Generation und auch sein Sohn, Alessandro Porro, führt auf dem Comersee die grossen Schiffe. In Menaggio verlassen wir den Kahn. Der Bus der Linie C12 der ASF Autolinee fährt uns bequem von der Via Lusardi (5 Gehminuten vom Comerseeschiff entfernt bei der Kirche) nach Porlezza (Piazza Matteotti, direkt bei der Luganersee-Schiffstation) und männiglich staunt, welche Serpentinen der Bus zu Beginn zu überwinden hat. Kein Wunder: das Niveau des Luganersees ist fast 80 m höher gegenüber dem Comersee. Die beiden Seen liegen zwar in einer ähnlichen Topografie, unterscheiden sich nebst der Meereshöhe auch sonst: der Comersee ist mit 146 km2 ziemlich genau drei Mal so gross wie der Nachbarsee. Mit 414 m ist er fast doppelt so tief wie der Luganersee und reicht somit rund 220 m unter den Meeresspiegel.

In Porlezza besteigen wir das Grachtenboot Airone (Reiher), mit dem noch niemand von der dreissigköpfigen Reisegruppe gefahren ist. Denn dieses Schiff gehört laut Auskunft des Schiffsführers offenbar erst seit kurzer Zeit der Luganersee-Schifffahrt SNL. Eine diesbezügliche Anfrage beantwortete die Luganersee-Schifffahrt nicht.

Die Fahrt nach Lugano führte uns vor die Station Santa Margherita, wo bis 1977 eine Standseilbahn nach Belvedere di Lanzo fuhr. Die 1907 durch Josef Durrer erbaute Anlage besteht noch, ist aber nach 40 Jahren in einem erbärmlichen Zustand; Bestrebungen, sie zu retten gibt es immer wieder. Lassen wir zum Schluss dieses Reiseberichtes die Beschreibung aus der Homepage der „Airone“ sprechen, die erfrischend ehrlich ist: „Der Boden ist mit einem weichen Spannteppich ausgestattet, der regelmässig gereinigt wird und somit auch ... barfuss begangen werden kann. Weiter ist das Schiff mit ... Lichtern ausgestattet, die jedoch dank den hellen Sternen über dem Luganersee kaum gebraucht werden. Die Fenster können geöffnet werden, um die Düfte ... schätzen zu können. Wenn Sie die einfachen Werte ... sowie Gelassenheit suchen, dann ist dieses Schiff genau das Richtige.“

Bilder: Seit 68 Jahren unterwegs: Motoscafo Alcione nimmt uns in Como für erste halbe Stunde mit an Bord. Trotz über 100 Fahrgästen an Bord ist die Stimmung unter den Schiffs-Agentur-Gästen gut; im Hintergrund das andere Ende der Grösse: die „Orione“, auf der wir später dann das Mittagessen einnehmen werden. Mit 25 Kilometer pro Stunde Geschwindigkeit brettert das Schiff Moltrasio entgegen. Auf der „Orione“ empfängt uns der Kapitän Roberto Porro im Steuerhaus zu einer interessanten Führung. Das Dreideckschiff steuert Bellagio an; dank speditivem Mittagess-Service reicht die Zeit für Blicke auf das reizvolle Ufer des Comersees. Auf dem Luganersee bringt uns das Grachtenboot Airone nach Lugano.

Bemerkungen: *) Ein „Motoscafo“ ist ein Schnellboot/Motorboot. Im italienischen Sprachgebrauch wird bei den oberitalienischen Seen folgende Schiffstypen unterschieden: P.fo = Piroscafo (Dampfschiff), M/n = Motonave (Motorschiff), T/r Traghetto (Autofähre), A.fo Aliscafo (Tragflügelboote), Cat = Catamarano (Katamaran). Bei der NLC (Navigazione del Lago di Como) verkehren sämtliche Schiffstypen (Link).

Weiter im Text: • Video zur Standseilbahn Santa Margherita in Valsolda (Link)  • Technische Daten der „Alcione“ (Link)  • Technische Daten der „Orione“ (Link)

 
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