plus minus gleich
Artikel nach Datum gefiltert: April 2018

Dieses Handbuch soll eine kleine „Gebrauchsanweisung“ sein für angehende Gäste einer Flusskreuzfahrt.

A         All inclusive

In der Regel sind im Pauschalpreis alle Leistungen inbegriffen ausser die Landausflüge, die Getränke an Bord und Trinkgelder. Sind Reisen speziell gekennzeichnet mit „all inclusive“ meint man, dass auch die Getränke zu den Mahlzeiten und diejenigen zwischendurch im Grundpreis enthalten sind. Der französische Anbieter „Croisie Europe“ hat für viele Angebote ein All inclusive; die allermeisten Anbieter aber verzichten darauf. Zum einen ist „all inclusive“ bei den Schweizer Fahrgästen nicht beliebt und zum andern bedeutet der Verkauf von Getränken für die Reedereien eine entsprechende Einnahmequelle. Es gibt an Bord jeweils keine Alternativen (ausser das Selber-Einkaufen in den Landeorten).

B         Buchen

Das Buchen von Flusskreuzfahrten übers Internet ist heute Standard. Alle Anbieter verfügen über entsprechende Plattformen. Reisebüros vermitteln solche Reisen ebenfalls, die Auswahl ist aber eingeschränkt; die Margen sind klein.

C         Charter

Reiseveranstalter mieten bei einer Reederei (Betreiberin von Schiffen) auf eigenes Risiko Schiffe an (sie chartern sie), manchmal über mehrere Jahre. Beispiel: Thurgau Travel hat MS Edelweiss von der Reederei Scylla Tours in einem mehrjährigen Vollcharter, MS Dnjepr Prinzess von der Reederei Chervona Ruta in einem Teilcharter, zusammen mit andern Reiseveranstaltern.

D         Dresscode

Kreuzfahrten und Kleidervorschriften waren zu Beginn dieser Reiseart weit verbreitet. Heute hingegen geht das – zumindest auf den Flüssen – locker zu und her. In den meisten Fällen gilt das informelle Motto: „sportlich“. Am Galadinner ist ein Kittel gern gesehen. Kurze Hosen sind am Abendessen auch im Hochsommer verpönt. Gute Erfahrungen machte ich, immer folgende Kleiderutensilien in die Koffer zu packen: Badehose (anstelle einer Stadtführung ist ein Besuch eines Bades oder einer Wellnessoase an Land eine echte Alternative) sowie warme Mütze und Handschuhe (selbst in den Übergangszeiten kann es auf dem Aussendeck ganz schön ziehen und selbst im Hochsommer am Morgen früh mit dem Fahrwind sehr frisch sein).

E          Eigner

Die internationale Passagier-Schifffahrtsbranche wirkt intransparent. Die Übersicht ist schwierig, da jeweils zwei bis vier Partner am „Produkt Schiff“ beteiligt sind: eine Finanzierungsgesellschaft, ein Eigner, eine Reederei (Betreiberin) und ein Reiseveranstalter, der das Schiff chartert. Dabei können auch zwei oder drei dieser „Partner“ derselbe sein und innerhalb der gleichen Firma verschiedenste „Kulturen“ gepflegt werden. Bei der französischen Croisi Europe kommt alles aus einer Hand, das ist eher die Ausnahme. Bis vor kurzem galt dies auch für die A’Rosa-Flotte. Seit Februar 2018 aber hat der britische Finanzinvestor Duke Street die Flotte übernommen, die aber weiterhin unter der deutschen Reederei aus Rostock fährt. In der Öffentlichkeit wahrgenommen werden der Veranstalter (z.B. Mittelthurgau oder ThurgauTravel) und allenfalls noch die Reederei (z.B. River Advice oder Scylla). Eigner hingegen wirken diskret. Mehrere Schiffen gehören z.B. in der Schweiz der Pano River Equity Zug, der UBS, dem Reisebüro Mittelthurgau Weinfelden, Atlas River Cruising Basel, der RSR Schifffahrt AG Basel und Baar, der Viking River Cruise AG Basel, der Credit Suisse und vielen andern mehr.

F          Flusskreuzfahrtschiff

Auf den ersten Anblick scheint es, als ob alle Kreuzfahrtenschiffe etwa gleich aussehen. Bei genauerem Hinsehen sind die Unterschiede und die Vielfalt grösser als erwartet. Die Hauptunterscheidungsmerkmale sind: die Grösse des Schiffes (Länge, Breite und Anzahl Decks), die Platzierung des Restaurants (Unterdeck, Hauptdeck, achtern, mittschiffs, vorne) und damit die Raumaufteilung auf dem Schiff sowie das Vorhandensein französischer Balkone (zu öffnene Glasfront mit Geländer). Die meisten Kabinenpassagierschiffe sind ein-rumpfige Selbstfahrer. Katamarane sind selten (siehe auch Zweirumpfschiffe im 2. Teil des ABC, folgt) und Schiffe im Schubverband, Twin-Cruiser genannt. Von letzteren gibt es neun Schiffe, erbaut zwischen 2005 und 2011. Sie haben sich trotz der extremen Laufruhe nicht durchgesetzt.

G         Gebiete und Reviere

Nebst Schiff und Kosten kann das Fahrgebiet eine übergeordnete Rolle spielen bei der Wahl einer Flusskreuzfahrt. Allgemein machte ich gute Erfahrungen, neue Angebote bald zu benutzen, da politische oder wirtschaftliche Rahmenbedingungen sich so ändern können, dass das Angebot wieder vom Markt verschwindet. Nicht alle Schiffe können überall fahren, dies wegen ihrer Grösse. Die ehemaligen KD-Klassiker fahren nur auf dem Rhein; ebenso geht es der „Mozart“ und den osteuropäischen Fünfdeck-Linern, die nur auf der Donau (und dem Schwarzen Meer inkl. angrenzenden Flüsse) fahren können. Interessanterweise sind diese beiden Klassiker Rhein und Donau landschaftlich die unattraktivsten, obschon sie die erfolgreichsten sind. Die grossen Städte und Metropolen sind hier die Anziehungsunkte. Demgegenüber sind Fahrten auf der Seine, Elbe, Duoro oder Saar/Mosel wirklich empfehlenswerte Natur- und Kultur-Erlebnisse.

H         Hunger

... muss auf den Kreuzfahrtschiffen niemand haben. Täglich gibt es drei bis sechs kulinarische Einsätze der Küche: Earlybird-Frühstück für Bettflüchtige, Frühstücksbuffet im Zeitfenster von zwei Stunden, ein mehrgängiges Mittagessen, Kaffee und Kuchen, ein mehrgängiges Abendessen und ein Mitternachtssnack. Ersteres und Letzteres können wegfallen. Zunehmend bieten die Reedereien am Mittag alternativ zum bedienten Mittagessen ein mengenmässig reduziertes Selbstbedienungsbuffet an, das ich jeweils sehr schätze, um nicht anderthalb Stunden im Restaurant zu verbringen. Die A’Rosa-Schiffe haben ein völlig anderes Konzept: an bester Lage auf dem Schiff gibt es Koch- und Selbstbedienungsinseln, wo frisch zubereitete Menus abgeholt werden können. Grundsätzlich werden Vegetarier und Vegetarierinnen sowie Kunden mit veganen Essgewohnheiten auf den Schiffen (noch) nicht so verwöhnt wie die andern (Ausnahmen bestätigen die Regel).

J          Jahreszeit

Von März bis Dezember ist immer Kreuzfahrtensaison. Im Frühling und Spätherbst sind die Preise nachfragebedingt deutlich tiefer. Ich wähle in der Regel im Sommerhalbjahr eine Kabine im Unterdeck, da ich nur die Nacht in der Kabine verbringe und sonst das Bordleben auf dem Sonnendeck geniesse. Im Winterhalbjahr wähle ich hingegen Kabinen mit französischen Balkonen, weil der Aufenthalt auf dem Freideck witterungsbedingt nicht so angenehm ist.

K         Kabinenwahl

Kabinen unterscheiden sich hauptsächlich darin, auf welchem Deck sie sich befinden. Es gilt: Mit jeder höheren Etage (Unterdeck, Hauptdeck, Oberdeck) wird der Preis teurer, zT. massiv. Heckkabinen sind zT. billiger wegen der Nähe der Motoren, resp. Generatoren. Die Grösse der Kabine unterscheidet sich innerhalb eines Schiffes in der Regel nicht. Einzelkabinen sind selten anzutreffen, jedoch gibt es Rabatte beim Bezug einer Doppelkabine zur Alleinbenützung. Einzelne Veranstalter verzichten auf einen Aufschlag für Alleinreisende, hingegen nur in der Kabinenkategorie des unteren Decks. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal besteht zwischen Kabinen mit zu öffnenden Fenstern (meist mit französischen Balkonen) und jenen mit nicht zu öffnenden Fenstern (Klimaanlage mit zureichender Frischluftzufuhr). Entscheidend für die Wahl (Deck und Fenster) sind individuelle Bedürfnisse.

Fortsetzung folgt.

Bilder: Das ehemalige Deilmann-Schiff MS Königstein ist in diesem Jahr vom 14. April bis 6. Juli im Pendeldienst Saarbrücken – Koblenz und Koblenz – Saarrücken je in einem 6-Tages-Turnus eingesetzt. ServRail Schweiz hat das Schiff, das sonst zwischen Potsdam und Rügen für Favorit-Reisen unterwegs ist, in Vollcharter. Ich war auf der „Pionierfahrt“ auf der Saar und Mosel dabei und genoss die geruhsame Tour; auch ausserhalb des Start- und Zielpunktes dauerten die Aufenthalte in Trier, Bernkastel und Cochem nebst der Nacht mind. einen halben Tag. Die ausgedehnten Landgänge wurden durchwegs gelobt. Bild 1 liegt die „Königstein“ in Cochem, Bild 2 in Bernkastel, Bilder 3/4 Schleusung auf der Saar bei Rehlingen, Bilder 5/6 zahlreiche alte und ultramoderne Brücken überspannen die Saar und die Mosel. Bild 7: der Speisesaal der „Königstein“ ist auf dem Hauptdeck vorne angeordnet, was für Flusskreuzer sehr selten ist. (Bilder und Text H. Amstad)

Bemerkungen: In 6 Reisetagen legte die „Königstein“ 288 km zurück (Saar 88 km, Mosel 200 km) und überwand mit 16 Schleusen einen Höhenunterschied von 126 m.

MS Königstein war ab Baujahr 1992 (Arminius-Werke Bodenwerder) ursprünglich auf der Elbe eingesetzt (von dort der Name). Das kleine Schiff (68,5 m L, 8,16 m B) wird durch zwei Pumpjets (Iveco 2 x 220 kW, v = 13 km/h) angetrieben, um auch bei Niedrigwasser die Elbe befahren zu können. Die Favorit Reisen Heilbronn kaufte das Schiff zusammen mit der „Rossini“ (1983) aus der Konkursmasse. MS Königstein hat 33 Kabinen, die auf unserer Reise mit 48 Personen belegt waren.

Medienhinweis: Weltweit gibt es ein Register über sämtliche Flusskreuzfahrtschiffe. Es ist bei der Schiffs-Agentur zu erwerben (Link). Das von Arnulf Hader erschaffene Werk wird im Schnitt alle zwei Jahre aktualisiert und beinhaltet nebst Bildern und den technischen Angaben viele weitere Infos zu Eigner, Reedereien und Revieren.

 
Freigegeben in Logbuch