plus minus gleich
Artikel nach Datum gefiltert: Januar 2019

Treffpunkt Bahnhofunterführung Neuchâtel beim Fun’ambule, der Mini-Metro der Kantonshauptstadt. Das selbstfahrende Standseilbähnchen fährt uns 34 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Schifffahrts-Agentur-Reise hinunter zum See, wo wir nach einigen Spazierminuten vor den Werfttoren der Navigation sur les Lacs de Neuchâtel et Morat S.A. LNM stehen. Kapitän Lionel Huguenin begrüsst und führt uns durch die Räumlichkeiten der Werft. Der in Neuenburg wohnhafte Sébasten Jacobi, versierter Kenner der Schweizer Passagierschifffahrt, übersetzt auf Deutsch. Die wenigsten unter uns haben bislang einen Blick hinter die Kulissen der LNM werfen können; entsprechend gross ist das Interesse. MS Idée Suisse liegt aufgedockt in der Halle.

Gleich im Werfthafen Nid du Crô besteigen wir anschliessend den bald 60-jährigen Oldie namens «Vully» – ein aktuell in verschiedenster Hinsicht spezielles Schiff. Es gilt als letztes noch im Originalzustand übrig gebliebenes Bodan-Schiff vom Typ der Raubvogelklasse, die ihren Namen von fünf baugleichen Bodensee-Schiffen hat*. Diese prägten von 1953 bis 2004 das Bild der Kleinmotorschiffe auf dem Schwäbischen Meer. Sie sind massiv und dadurch nachhaltig gebaut, viele davon fahren umgebaut in halb Europa immer noch, nachdem sich die deutsche Bodenseeflotte von ihnen verabschiedet hat. Ist es überhaupt korrekt, bei MS Vully als Nicht-Bodenseeschiff ebenfalls von dieser Schiffsklasse zu sprechen? Schiffshistoriker Jürg Meister meint dazu: «Stringent gesehen trifft dies nur für die zitierten DB-Boote zu. Ob die Bodanwerft die ‘Vully’ als ‘Raubvogel’ offeriert hat, würde ich mit einem Fragezeichen versehen. Dass das Neuenburger-Schiff ein Raubvogel-Abkömmling ist, sieht man ihm aber sehr wohl an – auch die technischen Daten sind beinahe identisch. Beim genauen Hinsehen ist die ‘Vully’ nicht ‘artrein’: Der Bug ist gegenüber den DB-Schiffen zugänglich für Passagiere, mit einer entsprechenden Türe im vorderen Salon versehen. Dazu kommen Blenden an der hinteren Salon-Oberkante mit rein ästhetischem Gehalt.»

Und wo ausser auf dem Boden- und Neuenburgersee gab es diesen Schiffstyp noch? Jürg Meister: «Als organische Weiterentwicklungen resp. Verfeinerungen sind die ‘Léman Vedettes’ zu betrachten: MS Col-Vert von 1960 und MS Grèbe aus dem Jahr 1961.» Als Prototyp kann das 1952 an die Stadtwerke Konstanz gelieferte MS Stadt Konstanz bezeichnet werden. Da eine vollständige Bodan-Schiffsliste fehlt, resp. bis heute nicht öffentlich zugänglich ist, können weitere Bauten dieser Schiffsklasse für deutsche Gewässer nicht ausgeschlossen werden.

Die morgendliche Fahrt durch den Zihlkanal ist noch recht winterlich. Trotzdem kommt Stimmung auf, auch dank Oli Perrot’s Chasselas aus Twann, der als Apéro serviert wird. In Twann angekommen überrascht uns Gastgeber Oli; von Twann aus geht es mit seinem MS Bielersee auf eine ausserplanmässige Schiffsrundfahrt Richtung Lüscherz, während wir die exklusive Twanner Treberwust geniessen. Der Chef persönlich steht in der Kombüse und managt das Essen, während René Stauffer das Steuer lenkt. Bevor wir wieder mit MS Vully zurück zum Neuenburgersee fahren – dieses Mal im Glitzer sanfter und wärmender Sonnenstrahlen – gibt es ein Schaulaufen der beiden Oldies vor Twann. Das ist absolut einmalig und entzückt Schiffsfreunde wie Fotografen gleichermassen.

 

Oli Perrot sucht seit Längerem ein Nachfolgeschiff seiner «Bielersee»; morgen reist er nach Holland und freut sich bereits heute, seine anvisierte, erst 12-jährige Einheit zu inspizieren: „Ich darf noch 25 Jahre arbeiten und mit dieser neueren Einheit wäre dies ohne Probleme möglich. Ich möchte gegenüber heute qualitativ und komforttechnisch noch eine Schippe drauflegen, obwohl meine alte Lady perfekt funktioniert.» An 165 Betriebstagen mit 180 Fahrten war er mit MS Bielersee (ehemals MS Bürgenstock vom Vierwaldstättersee) im 2018 während 890 Fahrstunden unterwegs. «Vorwiegend Bankette aber auch viele Hochzeitstransporte zur und von der Petersinsel,» ergänzt er.

Nach seiner Rückkehr fragte ich den Eigner, ob was draus wird? Oli: «Ich habe mir das Schiff angeguckt und fand selten ein technisch so tolles Schiff vor. Jede Finesse ist da eingebaut. Es fährt sich auch toll! Die grosse Hürde ist nun die Einfuhr in die Schweiz, da es unverständlicherweise als Neubau gilt. Mit einigem Aufwand müsste es aber machbar sein.» Eine weitere Hürde dürfte das Auftreiben des Geldes sein. «1,3 Millionen muss ich zusammenbringen – ob mit Investoren, Partnern oder Sponsoren..., ich bin für alle Lösungen offen.»

Vielleicht haben wir auch mit MS Bielersee eine der letzten Fahrten erlebt. Ob dies auch auf MS Vully zutrifft, lässt sich nur mutmassen. Vermutlich war es die Abschiedsfahrt, doch dies weiss eigentlich niemand, auch die LNM nicht. Sébastien Jacobi: „Dass MS Vully verschwinden wird ist klar. Aber man spricht davon seit einigen Jahren! Darum bin ich sehr zurückhaltend über eine diesbezügliche Aussage. Das Schiff wäre an sich gut, bietet aber keine Gastronomie an und entspricht nicht dem heute geltenden Behindertengesetz.» Auch der Organisator des heutigen Anlasses, Stefan Hellstern, drückt sich diplomatisch aus: «Ich vermute, dass wir heute die letzte öffentliche Fahrt erlebten. In den Kursverkehr kommt das Schiff bestimmt nicht mehr.»

Die «Vully» legte von 1960 bis Ende 2018 total 374 773 Kilometer zurück. Die grösste Jahresleistung erreichte das Schiff 1965 mit 16 632 km; 2019 ist es bis heute rund 50 km gefahren. Zu Beginn seiner Laufbahn war das Schiff im Sommer jeweils in Murten stationiert und machte den Service publiq hinüber nach Praz und Môtier. Im Winter fuhr das Schiff in ähnlicher Funktion die Verbindungen zwischen Neuenburg und Cudrefin resp. Portalban. Bei starken Stürmen kam es auch mal vor, dass di Wellen die Frontscheibe eingedrückte und das Schiff dann mit einem Bretterverschlag versehen musste. Im April 1983 besuchte der französische Staatspräsident Francois Mitterrand auf Einladung des damaligen Bundesratspräsidenten Pierre Aubert die Schweiz, Neuenburg und MS Vully. Der Sitzbank hat seither an Bord eine Gedenktafel… Die beiden Sozialdemokraten mochten es offensichtlich spartanisch. Das Schiff war immer wieder jahrelang keinem Kurs zugeteilt. Zwischen 1993 und 2007 kam es dann wieder zurück nach Murten und bediente als sog. «Flexi-Boat» die Lokalkurse auf Abruf**. 2016 sollte es erstmals verkauft werden. Zu diesem Zweck war es bereits in Sugiez, wo es neu zur Drei Seen Schifffahrtsgesellschaft kommen sollte. Nach der baulichen Inspektion und Bekanntwerden der Renovationskosten konnten sich die damaligen Verhandlungspartner aber nicht einigen, sodass der Verkauf nicht zustande kam. Seit 2017 liegt MS Vully hauptsächlich im Werfthafen der LNM und wartet auf ihr weiteres Schicksal.

Wir kehren nach sechs Stunden Schifffahrtserlebnis zurück nach Neuenburg. Sébastien Jacobi bringt es auf den Punkt, in dem er zum Abschluss meint: „Ich hatte eine riesige Freude an dieser Fahrt mit MS Vully – es fuhr wunderbar und mir ist aufgefallen, alle hatten Spass daran. Auch das Essen auf MS Bielersee von Captain Oli war hervorragend.“

Bilder: Startpunkt der Schiffs-Agentur-Reise war eine Werftführung im Nid du Crô. In der Halle war die „Idée Suisse“ aufgezogen. Kapitän Lionel Huguenin im seit 1960 kaum veränderten Steuerhaus der „Vully“ im Zihlkanal unterwegs. Im Service unterstützte uns Corinne Stauffer, Tochter von René Stauffer, der auf MS Bielersee als Schiffsführer im Einsatz stand. Corinne absolvierte im November 2018 erfolgreich als erste Frau die Schiffsführerprüfung bei der LNM. Der Türgriff zum Aussendeck der „Vully“: stilvolle Details eines 60-Jahr-Designs. Das Winterwetter hielt niemanden von einem Aufenthalt auf dem Aussendeck ab. Portraitaufnahme MS Vully vor Twann und Heckansicht beim Fotohalt in La Tène. Bild im Textteil: zusammen erzählen sie 122 Jahre Schiffahrtsgeschichte, die "Bielersee" (links) und "Vully"... Text und Bilder H. Amstad.

Bemerkungen: *) Als Raubvogelklasse werden die fünf ehemals auf dem Bodensee von der DB genutzten Motorboote bezeichnet. Die ersten vier Boote wurden 1953 in Dienst gestellt, das fünfte dann als Nachbestellung 1957. Sie waren als Ergänzung zu den beiden Carbooten Forelle und Hecht (später Greifensee, dann SNG Luzern) und dem kleinen Motorboot Woge gedacht.

Adler, 1994 verkauft, liegt heute als Privatyacht Aura im österreichischen Marbach auf der Donau.

Falke, im November 1989 verkauft auf den Wolfgangsee als „Schafberg“. Dann 1995 ebenfalls als MS Schafberg an die Firma Meindl am Mondsee und ab 2009 auf die Donau als „Lilofee“ bei Genussschifffahrt Gierlinger, Obermühl.

Habicht, 1990 verkauft auf den Vierwaldstättersee zu Ferdi Kaufmann, Flüelen, neuer Namen „Wilhelm Tell“. 2018 Verkauf an Schifffahrt Urnersee AG von Matthias Steinegger und Renovation.

Sperber, 1981 verkauft an die SGV (Vierwaldstättersee) und in „Brisen“ umbenannt. Am 27. Januar 1993 wurde es an einen niederländischen Eigner weiterverkauft. Es soll heute in der Stadt Essen stationiert sein auf den Wasserwegen von Rhein und Ruhr fahren, was sich aber vor Ort nicht bestätigen lässt.

Milan, wurde anlässlich der 1200-Jahr-Feier der bayrischen Bodenseegemeinde Wasserburg auf den Namen Wasserburg umgetauft. 2004 verkauft auf den Vierwaldstättersee zum Schiffsbetrieb Ferdi Kaufmann Flüelen. Kam dort nie zum Fahren, 2014 Abbruch. Die Original-Schriftzüge und ein Teil vom Steuerbordschanzkleid sind seit 2007 im Hafen Wasserburg ausgestellt. Quelle Florian Scholz (Link).

**) Quelle B. Gross, Bateaux sur les lacs de Neuchâtel et Motat (Link)

Technische Daten des Bodanwerft-Bautyps „Raubvogel“: MS Stadt Konstanz: Stadtwerke Konstanz Bodensee, 1952, L 23.0 m, B 4.35 m, m 34 t, P 220 PS (162 kW), 85 pax

MS Adler, Falke, Habicht, Sperber, Milan: DB Bodensee, 1953/1957, L 25.0 m, B 5.4 m, T 1.11 m, m 39 t, P 220 PS (162 kW), v 22 km/h, 125 pax

MS Vully: NLM Neuenburgersee, 1960, L 25.6 m, B 5.80 m, T 1.25 m, m 39.75 t, v 25.8 km/h, 130 pax

MS Col-Vert: CGN Genfersee, 1960 L 28.3 m, B 5.80 m, P 294 kW, 130 pax

MS Grèbe: SMGN Genfersee, 1961, L 28.3 m, B ? m, P 274 kW, v 27 km/h, 170 pax

Weiter im Text im SA-Archiv: Mit MS Bielersee nach Solothurn (Link), Kursspezialitäten Neuenburgersee (Link)

 
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Im letzten Jahr waren allein auf den europäischen Flüssen 350 Flusskreuzfahrtschiffe unterwegs, davon rund 150 unter Schweizer Flagge. Millionen geniessen diese geruhsame Reiseart, wo Koffer und Bett gleich mitreist. Das folgende kleine Handbuch soll den Einstieg erleichtern.*

J          Jahreszeit zum Reisen

Von März bis Dezember ist immer Kreuzfahrtensaison, jede Saison hat ihren besonderen Reiz. Im Frühling und Spätherbst sind die Preise nachfragebedingt deutlich tiefer. Ich wähle in der Regel im Sommerhalbjahr eine Kabine im günstigeren Unterdeck, da ich nur die Nacht in der Kabine verbringe und sonst das Bordleben auf dem Sonnendeck geniesse. Im Winterhalbjahr wähle ich hingegen eine mit französischen Balkonen, weil der Aufenthalt auf dem Freideck witterungsbedingt nicht so angenehm ist.

K         Kabinenwahl

Kabinen unterscheiden sich hauptsächlich darin, auf welchem Deck sie sich befinden. Es gilt: Mit jeder höheren Etage (Unterdeck, Hauptdeck, Oberdeck) wird der Preis deutlich teurer. Wegen der Nähe der Motoren, resp. Generatoren sind Heckkabinen oft günstiger. Die Grösse der Kabine unterscheidet sich innerhalb eines Schiffes in der Regel nicht. Einzelkabinen sind selten anzutreffen, jedoch gibt es Rabatte beim Bezug einer Doppelkabine zur Alleinbenützung. Es gibt einige Veranstalter, die auf einen Aufschlag für Alleinreisende verzichten, hingegen nur in der Kabinenkategorie des unteren Decks. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal besteht zwischen Kabinen mit zu öffnenden Fenstern (meist mit französischen Balkonen) und jenen mit nicht zu öffnenden Fenstern (Klimaanlage mit zureichender Frischluftzufuhr). Entscheidend für die Wahl (Deck und Fenster) sind die individuellen Bedürfnisse und die Möglichkeiten des Portemonnaies.

L         Landausflüge

Mich erstaunt immer wieder, wie beliebt Landausflüge sind. Ich bestelle sie jeweils nicht im Voraus. Einen ruhigen Moment auf dem Schiff zu haben ist sehr wohltuend, weil ich auf der Fahrt immer was zu sehen habe. Oft legen die Schiffe mitten in den Städten an, wo man zu Fuss auch alleine die Umgebung entdecken kann. Und schliesslich kommt es vor, dass während des Landausfluges das Schiff weiterfährt und die Landausflügler später wieder an Bord kommen.** Einzelne Ausflüge können auch an Bord gebucht werden. Wer alle Ausflüge machen will zahlt voraus im sog. Ausflugspaket weniger als bei jedem einzelnen Ausflug an Bord.

M         Mannschaft

Die nautische Crew besteht aus einem bis drei Schiffsführern, wobei einer davon den Status als Kapitän hat. Diese Anzahl ist abhängig von der Fahrdauer, rsp. Längen der Pausen des Schiffes pro 24 Stunden. Meistens sind fünf Personen für die Nautik zuständig: nebst den Schiffsführern ein Maschinist, der für alles Technische an Bord verantwortlich zeichnet und zwei Matrosen. Der Anteil an Frauen ist hier auffallend tief.

Der ganze Hotelbereich steht unter der Leitung des Hotelmanagers, resp. der Hotelmanagerin. Je nach Anzahl Betten schwankt diese Besatzung zwischen 8 und 20 Gastgeber und Gastgeberinnen. Dazu gehören der Küchen-Staff, der Restaurant- und Barservice, das Housekeeping, die Rezeptionistin und ein Nachwächter. Grundsätzlich sind sowohl die nautische wie die Gastro-Crew multikulturell, bestehend aus bis zu 10 Nationen. Aus fiskalischen Gründen stammen viele Arbeitnehmer/innen aus Osteuropa oder Asien.

Die Reiseleitung hat einen Sonderstatus und ist nicht von der Reederei angestellt, sondern vom Reiseveranstalter (Charter).

N         Nachtfahrten

Nachtfahrten sind ein viel diskutiertes Thema unter den vielfahrenden Kunden. Die Einen lieben sie, weil sie dadurch viel Zeit haben für die Landgänge, die nur tagsüber stattfinden können. Die Anderen hassen Nachtfahrten, weil sie sich beim Schlafen an den Schiffs-Geräuschen stören und sie vor allem wegen der Flusslandschaft und dem Schifffahren an Bord sind. Die Angebotspalette von „nur nachts“ bis „nie nachts“ ist breit; ein genauer Blick aufs Programm lohnt sich.

Manchmal bestimmen aber externe Umstände, ob nachts gefahren wird oder nicht. Wer in sieben Tagen von Passau zur serbisch-kroatischen Grenze bei Mohàcs und zurück fahren will, muss nachts fahren, da es 1556 km zurück zu legen gilt! Oder: Auf dem Neckar z.B. wird nachts nie gefahren, da dann die Schleusen nicht bedient werden.

O         Omas und Opas

Der Kreuzfahrt im Allgemeinen und der Flussschifffahrt im Speziellen haftet das Image der fahrenden Altersheime. Dieses Urteil gilt oft als Vorwand, auf solche Reisen ganz zu verzichten. Ich entdecke eine Gegend per Schiff regelmässig seit 30 Jahren und ich fühlte mich auf keiner einzigen Fahrt eingeschränkt oder gar belästigt durch ältere Leute mit besonderen Bedürfnissen. Rein ferientechnisch haben in den Nebensaisons Rentner Zeit für Reisen; das Durchschnittsalter ist an Bord in der Regel hoch. In den Schulferien findet man aber vermehrt Familien vor.

Nach einer Erhebung von River Cruise waren 2015 im deutschen Markt 10 % über 76, je 30 % der Kunden zwischen 66 und 75 resp. 56 und 65. 20 % waren jünger als 55. Ich sehe den Hauptgrund dieser Altersstruktur in erster Linie in den zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten. Noch nie zuvor ging es im Schnitt älteren Leuten wirtschaftlich so gut wie heute.

P         Preise und Kosten

Nebst der Wahl des Fahrgebietes und des Schiffes ist der Preis ein weiteres (–>) Wahlkriterium. Grob kann man folgende Faustregel anwenden: Wenn ein Angebot unter 200 Franken ist pro Tag und pro Person gilt das als sehr günstig (Neben- oder Wintersaison oder Einschränkungen im Service). Angebote über 300 Franken pro Tag bieten gute Leistungen wie Kabine mit französischen Balkonen. Ein interessantes Preis-/Leistungsverhältnis bewegt sich zwischen 200 und 300 Franken pro Tag. Diese Faustregel beinhaltet die Vollpension sowie die Übernachtungskabine mit Vollservice und gilt mit der An- und Rückreise zum und vom Schiff auf der Basis Bus oder Bahn. Bei teureren Angeboten handelt es sich in der Regel um besondere Leistungen wie Flüge (z.B. Duoro in Portugal, russische oder Flüsse im fernen Osten), sehr luxuriöse Schiffe oder kleinere, individuellere Schiffe mit bis 30 Personen (z.B. kroatische Küste, Götakanal oder das Kanalsystem von Edingburgh).

Wer individuell reisen oder an Ort länger bleiben möchte bieten die Veranstalter in der Regel Preisnachlässe an.

Die Grundleistungen werden im Voraus bezahlt. Eine Reiseversicherung ist in jedem Fall zu empfehlen (oft obligatorisch), falls man kurzfristig auf das Erlebnis verzichten muss. An Bord kommen persönliche Auslagen, die Kosten der Ausflüge (falls nicht vorgängig gebucht) und die Getränke dazu und werden per Kreditkarte bezahlt. Dazu kommen –> Trinkgelder, die einen festen Lohnbestandteil für die Besatzung sind.

Fortsetzung folgt.

Bilder: Auch im Winter sind Fluss-Kreuzfahrten spannend. In dieser Jahreszeit lohnt es sich, eher luxuriösere Schiffe zu wählen, wie z.B. die „Thurgau Ultra“, das ehemalige 6*-Schiff der Reederei Premicon („Premicon Queen“). Die „Sterne“ sind zwar unter dem Schweizer Anbieter Thurgau Travel (Dauercharter-Vertrag) etwas weniger, aber das Schiff strahlt wie eh und je eine Grosszügigkeit aus, wie man es selten antrifft. Soeben verlassen wir das abendliche Basel und unterqueren bei Sonnenuntergang die Fussgängerbrücke zwischen dem deutschen Weil am Rhein und dem französischen Huningue. Im Hintergrund links ist das Dreiländereck zu sehen mit der Basler Personenschifffahrt. Auf dem 10 a grossen Sonnendeck erwartet ein Schach entsprechende Spieler. Ein holländischer Partikulier begegnet uns vor einer winterlichen Kanal-Allee. Der attraktivste Platz auf der „Thurgau Ultra“ ist zweifelsohne der grosse Salon, der sich über zwei Stockwerke stufenartig vom Bug zum Mittelschiff aufbaut und für jede Loungereihe freie Sicht nach aussen gewährt. Das Restaurant ist edel materialisiert. Ein Blick ins abendliche Schiff zeigt auf dem Mitteldeck das Ende des abgestuften Salons und auf dem Hauptdeck die Sauna und den Fitnessraum. Die „Thurgau Ultra“ ist ein Twincruiser, auch wenn man das auf den ersten Blick nicht sieht. D.h. die ganzen Energie- und Antriebsaggregate befinden sich in einem 25 m langen, separaten Schiff am Heck. Die blaue Vertikale kaschiert den Übergang zum Schubverband.

*) Weiter im Text: Teil 1 des Kreuzfahrten-ABC (Link), Teil 3 erscheint demnächst.

**) Ergänzung: Ausnahmen bestätigen die Regel, wo ich Ausflüge ebenfalls buche. So ist zum Beispiel das Ausflugspaket beim Angebot des Donaudeltas sehr empfehlenswert: fast alle Ausflüge werden mit einem kleineren Schiff unternommen. Macht mich ansonsten ein Landgang trotzdem „gluschtig“, so sind Einzelbuchungen auch an Bord noch möglich, wie z.B. auf der Loire mit dem Angebot, eine der grössten Schiffswerften der Welt zu besichtigen (St-Nazaire).

Techn. Daten MS Thurgau Ultra: 2008 („Premicon Queen“ bis 2011, „Tui Queen“ bis 2013, „Queen Maxima“ 2014, „Thurgau Ultra“ ab 2015), Neptun Werft Rostock, Erstellungskosten 28 Mio EUR, L 135,00 m, B 11,40 m, T 1,6 m, 2 x MTU 8 V 4000M60, P 1 600 kW, 21 km/h, 120 pax (und ca. 40 Crew), Inhaber: Premicon München, Reederei: KD Cruise Service Limassol (Zyprien), Dienstleistungen  Hotel- und Restaurantservice: Gsell & Partner Luzern, Charter: Thurgau Travel Weinfelden, Schiffsbeschreibung Link

 
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